"Die Anstalt der gebrochenen Seelen" von Sarah Drews
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Eine geschlossene Heilanstalt.
Ein verrufener alter Waldfriedhof.
Geschichten über gebrochene Seelen.
Die Journalistin Johanna soll für Recherchezwecke eine Nacht auf dem alten Friedhof der Heilanstalt verbringen. Grausame Geschichten ranken sich um diesen Ort.
Was geschah wirklich mit den Jugendlichen, die nach einer Nacht dort in ihrem Wesen wie ausgewechselt waren?
Und in welchem Zusammenhang stehen die Geschichten mit der längst geschlossenen Heilanstalt?
Nur eine Abschreckung, um nächtliche Besucher abzuhalten, oder steckt viel mehr dahinter?
Ein verrufener alter Waldfriedhof.
Geschichten über gebrochene Seelen.
Die Journalistin Johanna soll für Recherchezwecke eine Nacht auf dem alten Friedhof der Heilanstalt verbringen. Grausame Geschichten ranken sich um diesen Ort.
Was geschah wirklich mit den Jugendlichen, die nach einer Nacht dort in ihrem Wesen wie ausgewechselt waren?
Und in welchem Zusammenhang stehen die Geschichten mit der längst geschlossenen Heilanstalt?
Nur eine Abschreckung, um nächtliche Besucher abzuhalten, oder steckt viel mehr dahinter?
Leseprobe
»Die Anstalt der gebrochenen Seelen«
von Sarah Drews
(Seite 58 – 63)
»Die Anstalt der gebrochenen Seelen«
von Sarah Drews
(Seite 58 – 63)
… Augenblicklich sträubten sich ihre Nackenhaare, ein eiskalter Schauder lief ihr über den Rücken.
Was zur Hölle?
Johanna stolperte zwei, drei Schritte rückwärts. Sie probierte den Blick zu lösen, aber dazu war sie erst fähig, als sie mitten auf dem Weg stand. In ihrer Brust pochte das Herz wie verrückt. Was war da eben passiert?
»Sie spüren es auch, oder?«
Herrn Hermanns’ Stimme klang eingeschüchtert.
Oder bildete sie sich das nur ein?
»Spüren? Was genau?«, hakte Johanna mit belegter Stimme nach.
»Dieses Gefühl, beobachtet zu werden? Immer wenn ich hier vorbeigehe, überfällt es mich, als würde sie mich nicht aus den Augen lassen. Ich komme mir dann immer wie ein Eindringling vor. Aus diesem Grund meide ich den Teil bei meinen Rundgängen.«
Besser hätte Johanna es nicht beschreiben können. Als sie ihr in die Augen gesehen hatte, war es, als würde die Figur direkt in ihre Seele blicken. Auf eine unangenehme Art und Weise. Wie eine Warnung. Aber wovor?
Das war doch nicht möglich. Johanna trat einen Schritt vor. Obwohl die Sonne schien, spürte sie am ganzen Körper Gänsehaut.
Lauf!
Alles in ihr schrie dieses Wort – immer wieder. Das merkwürdige Gefühl vom Eingang tauchte in ihrer Erinnerung auf. Dieser Friedhof …
Etwas packte sie an der Schulter und zog sie zurück.
»Ahhhhh!« Sie machte einen Satz und ihr Herz überschlug sich förmlich.
»Alles in Ordnung? Habe ich Sie erschreckt?«
Das war nicht die Stimme einer Frau. Das war …
Wilhelm!
Erst jetzt erinnerte sich Johanna an ihren Begleiter, der sie durch seine Brille fragend ansah.
»Ich dachte …« Ja, was hatte sie gedacht? Dass die Statue zum Leben erwacht war?
Du schaust eindeutig zu viele Horrorfilme, Johanna, schalt sie sich.
Langsam normalisierte sich ihr Herzschlag wieder. Doch das Unwohlsein blieb.
»Kommen Sie!«, forderte Hermanns sie auf und schob sie sachte in die Richtung, aus der sie gekommen waren. »In ihrer Nähe hält man es nicht lange aus.«
»Eindeutig«, stimmte Johanna ihm mit einem Zittern in der Stimme zu. »Sie ist … Ich weiß nicht, warum … aber diese Augen.« Johanna gelang es nicht, ihre Eindrücke in Worte zu fassen.
»Wahrscheinlich ranken sich deswegen so viele Geschichten um die Statue. Ich weiß noch, dass anfangs einige behaupteten, sie würde einfach ihren Liebsten bewachen. Irgendwann wurde daraus der Friedhof. Ein paar Jahre später tauchte das Gerücht auf, sie würde in der Nacht ihr Podest verlassen, umherwandeln und jeden verfluchen, der die Nachtruhe störe.«
»Aber es ist nur ein Gerücht, oder?«
Johannas Frage blieb unbeantwortet und ein Teil von ihr war froh darüber.
Inzwischen bogen sie ab und Johanna spürte wieder die Sonne. Sie wärmte ihr Gesicht, und der Wunsch, zu flüchten, verblasste innerhalb kürzester Zeit. Es war albern, Angst vor einer Steinfigur zu haben. Aber dennoch. Diese Beklemmung, der Wunsch, zu fliehen … All das war nicht ihrer Fantasie entsprungen.
Erleichtert stellte Johanna fest, dass sie beim Ausgang angelangt waren. Nach dem Erlebten verspürte sie nur noch den Wunsch, nach zu Hause fahren. In dreieinhalb Stunden könnte sie auf dem Sofa sitzen, eine heiße Schokolade trinken und den Rest aus sicherer Entfernung recherchieren. Auf das Museum verzichtete sie jedenfalls gern.
Kaum waren sie durch das große Tor getreten, durchströmte Johanna ein Gefühl von Sicherheit. Es war, als sei eine riesige Last von ihren Schultern gefallen. Wilhelm Hermanns schien es nicht anders zu gehen. Er sah älter aus. Von der Heiterkeit, die sie anfänglich verspürt hatte, war nichts mehr übrig geblieben. Irgendetwas schien ihn zu beschäftigen und Hanna wollte ihn nicht herausreißen, um sich zu verabschieden. Ungeduldig trat sie von einem Bein aufs andere.
»Mein Enkel.«
Seine Stimme erklang so unvermittelt, dass sie erschrocken zusammenzuckte. Mit einem Mal lag eine Art Traurigkeit in seinen Augen, die sogar Johanna tief drinnen berührte und sie schlucken ließ.
»Ich habe das bis heute nie jemandem erzählt. Aber Sie … Es war nicht zu übersehen, dass die Statue etwas mit Ihnen gemacht hat. Ich denke, es kann Ihnen bei Ihrem Artikel helfen. Nur bitte … keine Namen.«
Sofort begann ihr Herz zu rasen. Was hatte er noch nie jemandem anvertraut? Wollte sie es überhaupt wissen? Mit Mühe und Not gelang ihr ein schwaches Nicken.
Herr Hermanns räusperte sich und legte eine Hand auf seine Brust. Genau da, wo sein Herz schlug. »Es ist fünfzehn Jahre her. Eine halbe Ewigkeit und doch erinnere ich mich an jedes Detail. Manche Dinge vergisst man nicht. Peter, so heißt mein Enkel, war damals fünfzehn Jahre alt.« Eine kurze Pause entstand und Wilhelm lächelte bei der Erinnerung. Nur kurz, dann wurde sein Gesicht wieder ernst. »Meine Tochter, seine Mutter, starb bei einem Autounfall, da war Peter sechs. Einen Vater in dem Sinne gab es nicht. Und so kam es, dass er bei uns aufwuchs. Ein freundlicher Junge, den jeder im Ort mochte. Mit der Pubertät veränderte er sich. Wurde unverbesserlich, ein richtiger Rebell. Die Noten fielen in den Keller. Eine Ausbildung kam nicht infrage. Dazu die falschen Freunde, Alkohol und Gras. Wir waren mit unserem Latein am Ende und gaben Peter, nachdem ihn die Polizei eines Nachts wieder bei uns ablieferte, Hausarrest. Im Raum standen ein Internat an der Nordsee oder eine Therapie. Peter bearbeitete uns, ihm eine allerletzte Chance zu geben. Das ging drei Tage gut, dann schlich er sich raus und ist mit seinen Freunden in der Nacht auf den Friedhof gegangen. Eine Nachbarin sah sie und erzählte uns am nächsten Tag davon. Sonst hätten wir das nie erfahren.« Er seufzte und sah traurig auf seine Schuhspitzen. »In dieser Nacht ist etwas passiert. Am nächsten Morgen stand Peter vor dem Klingeln des Weckers auf. Es war das erste Mal seit Monaten, dass er sein Bett machte und ohne Diskussionen zur Schule ging. Peter war wie ausgewechselt. Nicht nur einen Tag, solche gab es immer mal zwischendurch, sondern bis zu seinem Abschluss. Er verpasste keine Unterrichtsstunde mehr, traf niemanden von seinen alten Freunden, rührte keinen Tropfen Alkohol mehr an. Statt Hauptschule schloss er das Abitur mit Bestnoten ab.«
»Hat er Ihnen erzählt, was vorgefallen ist? Möglicherweise hat er sich mit seinen Freunden gestritten.«
»Nein. Über die Nacht hat er nie ein Wort verloren, aber es war kein Streit unter Freunden, der ihn auf den rechten Weg gebracht hat.« Er legte eine Pause ein. Ihm schien die Geschichte nahezugehen. »Meine Frau und ich haben immer wieder nachgehakt, aber Peter blockt bis heute. Nach dem Abitur ist er nach Indien gegangen. Dort lebt er zurückgezogen – fast wie ein Einsiedler. Die erste Zeit bekamen wir regelmäßig Briefe oder Postkarten, ein paarmal Fotos und einmal besuchte er uns. Doch seit fünf Jahren ruft er nur zu den Geburtstagen an. Daran denkt er immer, aber sonst …« Der Schmerz stand Hermanns deutlich ins Gesicht geschrieben.
Johanna biss sich auf die Lippen. Sie konnte nicht sagen, was schlimmer war – zu sehen, wie sich der Enkel zugrunde richtet, oder nicht zu wissen, was ihn verändert hatte. Johanna legte dem alten Mann eine Hand auf die Schulter. Es war ein kläglicher Versuch, ihm zumindest etwas Trost zu spenden.
Und nun? Unmöglich konnte Johanna all die Fragen stellen, die ihr durch den Kopf geisterten. Warum glaubte er, dass die Veränderung mit dem Friedhof zusammenhing? Lag es nur an dem Gefühl oder an den Gerüchten? Gab es weitere solcher Veränderungen?
Drei, vielleicht auch fünf Minuten standen Johanna und Wilhelm schweigend nebeneinander, dann hielt sie es nicht mehr aus. »Was macht Sie so sicher, dass es was mit dem Friedhof zu tun hat?« Dabei vermied sie es, ihm in die Augen zu sehen.
Obwohl Johanna sich mit der Frage unwohl fühlte, schien Wilhelm ihr die Äußerung nicht übel zu nehmen.
»Sie waren an dem Abend zu dritt. Peter, Rudi und Gabi. Gabi war wie unser Peter. Vollkommen ausgewechselt. Vorher trug sie Miniröcke und konnte nicht genug Blicke auf sich ziehen. Nach der Nacht sahen wir sie immer nur in langen Röcken und schlichten Blusen. Sie lief mit gesenktem Blick durch die Straßen und besuchte sogar jeden Sonntag den Gottesdienst. Ihre Eltern sind ein Jahr nach dem Vorfall weggezogen. Mit Rudi war es schlimmer.« Er schluckte hörbar und Johanna sah eine Träne langsam über seine Wange hinunterkullern. Mit brüchiger Stimme sprach er weiter: »Drei Tage nach dieser Nacht hat er sich die Zunge abgebissen.«
…
© Sarah Drews und Shadodex – Verlag der Schatten
»Die Anstalt der gebrochenen Seelen «
von Sarah Drews
Taschenbuch
ISBN: 978-3-98528-012-4
292 Seiten
Preis: 15,00 €
E-Book
ISBN: 978-3-98528-013-1 (epub)
Preis: 4,99 €
Psycho/Grusel/Horrorthriller über eine Heilanstalt und deren Friedhof mit überraschendem Ende.
Angaben zur Produktsicherheit:
Hersteller:
Shadodex - Verlag der Schatten, Bettina Ickelsheimer-Förster
Ruhefeld 16/1, D-74594 Kreßberg-Mariäkappel
E-Mail: info@verlag-der-schatten.de
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Ruhefeld 16/1, D-74594 Kreßberg-Mariäkappel
E-Mail: info@verlag-der-schatten.de
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