"Mörder in der Mumienfarm" von K. Theo Frank
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Stell dir vor, du könntest ewig leben …
Der Milliardär und Dreaminc-Inhaber Erolus Ex bietet seinen Kunden genau diesen Service: Unsterblichkeit.
In einer virtuellen Welt – genannt Dreamland – kann das Bewusstsein mithilfe eines Avatars weiterleben, während der Körper in der sogenannten Mumienfarm konserviert wird. Der mysteriöse Tod einer der Mumien erschüttert jedoch das Firmenimperium.
Privatdetektiv Horatio Abakorn erhält den Auftrag, den Fall aufzuklären. Dabei kommt er einer Verschwörung auf die Spur und er muss plötzlich um sein Leben bangen, denn von den Bewohnern Dreamlands geht eine unerwartete Gefahr für alle Menschen aus.
Der Milliardär und Dreaminc-Inhaber Erolus Ex bietet seinen Kunden genau diesen Service: Unsterblichkeit.
In einer virtuellen Welt – genannt Dreamland – kann das Bewusstsein mithilfe eines Avatars weiterleben, während der Körper in der sogenannten Mumienfarm konserviert wird. Der mysteriöse Tod einer der Mumien erschüttert jedoch das Firmenimperium.
Privatdetektiv Horatio Abakorn erhält den Auftrag, den Fall aufzuklären. Dabei kommt er einer Verschwörung auf die Spur und er muss plötzlich um sein Leben bangen, denn von den Bewohnern Dreamlands geht eine unerwartete Gefahr für alle Menschen aus.
Leseprobe
„Mörder in der Mumienfarm“
von K. Theo Frank
(S. 24 - 27)
„Mörder in der Mumienfarm“
von K. Theo Frank
(S. 24 - 27)
…
Ich steige aus und schaue mich um, aber nicht um die rationale und gleichzeitig mitarbeitergerechte Architektur zu bewundern. Ich suche jemanden Bestimmtes.
Mein Blick streift Firmenangestellte in einheitlichen Krawatten und Zulieferer in hellgrauen Arbeitsanzügen, die sich zwingen, die Ereignisse auf der anderen Straßenseite zu ignorieren. Dann entdecke ich endlich meinen Freund: Kommissar Brahms. Er steht direkt vor der automatischen Eingangstür. Ständig öffnet und schließt sie sich, weil er unter dem Bewegungssensor steht. Doch er kriegt es nicht mit.
Sein Spitzname ist Kobra, aber der passt überhaupt nicht zu ihm, jedenfalls nicht mehr. Sein Hintern ist inzwischen breiter als seine Schultern. Das altmodische, dunkelgraue Jackett, der schon etwas ältere, dunkle Hut, die Brille und der spießige Schnauzbart runden die Anti-Kobra ab. Dennoch mag er sein Pseudonym, vor allem weil ihm sein richtiger Vorname, Johannes, schon immer auf die Nerven ging.
»Horatio, schön dich zu sehen!«
Seine Begrüßung ist ehrlich, so wie alles an ihm ehrlich ist. Sein leutseliges Wesen hindert ihn jedoch nicht daran, sich über andere lustig zu machen.
Er zwinkert. »Trotzdem frage ich mich, was du hier zu suchen hast? Gibt es keine untreuen Ehepartner mehr, die du überwachen musst?«
Ich ignoriere seine Stichelei und gebe ihm die Hand. »Danke, dass du gekommen bist.«
Er erwidert den Druck und seine Miene wird ernst. »Du weißt, für dich würde ich alles tun, zu jeder Zeit. Schließlich hast du mir das Leben gerettet.«
Aber zwölf habe ich vernichtet, denke ich, verdränge die Kriegsbilder jedoch. Gott sei Dank muss ich mich dafür nicht besonders anstrengen, denn Geschichte löscht nach und nach jede Erinnerung aus.
»Wer sind die?« Ich deute auf die Demonstranten. »Marxisten?«
»Nein, Christen. Genauer gesagt Todesevangelisten. So nennen sie sich. Klingt gruselig, oder?«
»Und was wollen sie?«
Kobra macht eine ausholende Handbewegung. »Sie setzen sich schon seit Jahrzehnten gegen lebensverlängernde medizinische Maßnahmen an Todgeweihten ein. Das Unsterblichkeitsprojekt von Dreaminc bekämpfen sie regelrecht, zumindest in dem Rahmen, der Christen erlaubt ist.«
Ich ziehe den rechten Mundwinkel nach oben. »Die Gruppe ist mir völlig unbekannt.«
»Kein Wunder. Vor einem Jahr waren es nicht mal fünfzig Leute.«
»Was ist heute denn anders?«
Kobra zeigt auf einen groß gewachsenen Kerl in der vordersten Reihe der Demonstranten: schwarze Haut, schwarze Haare, schwarze Sonnenbrille und ein Lächeln, das nicht von dieser Welt zu sein scheint. Er klatscht rhythmisch in die Hände, als wäre er auf einem Rockkonzert. »Achat Mendez, ihr neuer Anführer: jung, charismatisch, bescheiden. Während einer Unterhaltung mit ihm – das habe ich zumindest gehört – fühle man sich so, als ob man seinen Kaffee, äh, Kaffie mit Jesus Christus persönlich schlürfen würde.« Auf Kobras breitem Gesicht erscheint ein noch breiteres Grinsen. Da es sich nicht in meinem spiegelt, erstirbt es. Brummelnd zeigt er auf die unentschlossene Glastür. »Lass uns reingehen.«
Kobra hasst es, wenn seine Witze nicht ankommen. Um seine Laune wieder zu heben, pfeife ich die ersten Takte des Ungarischen Tanzes Nummer fünf aus der Feder des Lieblingskomponisten seiner Eltern. Er grinst wieder, als hätte er niemals damit aufgehört. Das war sein Humor.
…
(S. 36 – 41)
…
»Willkommen in unserer Farm«, ruft Dr. Büker und breitet die Arme aus. Er macht einen Schritt zur Seite, um uns hinaustreten zu lassen.
Ein unangenehmer, beißender Geruch steigt in meine Nase. Licht blendet mich und es dauert einen Augenblick, bis meine Pupillen adaptieren.
Eine gigantische Fläche liegt vor mir. Trotz der grellen Deckenleuchten kann ich ihr Ende nicht sehen. Hunderte weiße Betten stehen in breiten Abständen akkurat ausgerichtet nebeneinander.
Dr. Bükers Hand beschreibt einen weiten Bogen, als wäre er ein texanischer Rinderzüchter, der seinen Besuchern seinen Landbesitz präsentiert. »Pro Etage haben wir etwa eintausend Kunden auf einer Fläche von jeweils zwölftausend Quadratmetern untergebracht.«
»Wo findet die Einbalsamierung statt?«, frage ich.
Wieder habe ich mich in meiner Wortwahl vergriffen und Dr. Büker verzieht den Mund.
»Der Übergang – salopp nennt man ihn auch den künstlichen Tod – und die Konservierung erfolgen auf den oberen Etagen. Die Prozedur dauert acht Stunden, wenn es Komplikationen gibt auch länger. Anschließend werden die Kunden in die Farm verfracht, äh, verbracht.«
»Warum konserviert man die Kunden nicht hier?«, erkundigt sich Kobra.
»Eine sehr gute Frage«, erwidert Dr. Büker. »Aber sie ist leicht zu beantworten. Die unterirdischen Etagen sind für Aktivitäten vorgesehen, die der Geheimhaltung unterliegen. Unsere Kunden werden beim Übergang jedoch häufig von ihren Liebsten begleitet und nach Eintritt des Todes müssen sie sofort behandelt werden.«
Ich trete an eines der Betten heran und betrachte den darin befindlichen Körper genauer. Ein Leinentuch bedeckt den Torso, aber Arme, Beine und Kopf liegen frei. Graue Haare fallen strähnig in das Totengesicht. Die Haut ist ebenfalls grau und scheint die Konsistenz von Leder zu haben. Zwischen den kaum noch vorhandenen Lippen liegt ein Intubationsschlauch. In den Armbeugen stecken Kanülen. Die feinen Metalldrähte der Gehirnsonden fächern sich wie Finger eines Psychomagiers über den fixierten Schädel. Ich vermisse die üblichen medizinischen Geräte. Offensichtlich ist die gesamte Technik kompakt unterhalb der Matratze verstaut.
Erst jetzt fällt mir auf, wie warm es hier drinnen ist. Ich ziehe den Mantel aus. Meine Hände hinterlassen Schweißflecken auf der Manila-Mappe.
Dr. Büker räuspert sich und zeigt vage in eine Richtung. »Dort drüben.« Er führt uns zum Bett von Lisbeth Well, Llavas Großmutter. Es ist leer, dennoch hält Kobra inne wie vor einem Grab und dreht seinen Hut in der Hand.
»Habt ihr irgendwelche Spuren gefunden?«, will ich von ihm wissen.
»Nichts Auffälliges«, erwidert Kobra. »Keine Fingerabdrücke, keine Hautschuppen, keine Haare außer denen von Frau Well und der Putzfrau.«
»Der Operateurin unserer Reinigungsroboter«, korrigiert Dr. Büker.
Ich hake nach: »Wirklich nichts?«
Kobra atmet geräuschvoll aus. »Wirklich, wirklich nichts!«
Ich nicke, dann gehe ich um das Bett herum. Haare, Hautpartikel, Textilfasern, solche Dinge entgehen Polizisten normalerweise nicht. Allerdings kann es passieren, dass sie etwas übersehen, wenn es nicht in ihr Raster passt.
Vor Kurzem gab es einen Selbstmordanschlag in London. Die Polizei sicherte alle Spuren, vernahm die Zeugen und ermittelte routinemäßig in Richtung politischer und religiöser Extremisten, insbesondere hinsichtlich eines möglichen Terrorakts aus der Ostsphäre. Sie fanden sehr schnell heraus, dass der Täter Chemiker war und den Sprengstoff selbst hergestellt hatte. Nach den Hintermännern des Anschlags suchten sie jedoch vergeblich. Erst lange nach der Tat fiel jemandem auf, dass der Chemiker und eines der Opfer den gleichen Ring trugen. Offensichtlich handelte es sich um ein Eifersuchtsdrama. Nein, der Entdecker dieses Umstands war kein hochrangiger Kommissar, sondern ein gelangweilter Polizeischüler gewesen, der in der Asservatenkammer Nachtwache schieben musste.
»Gibt es eine Tatwaffe?«
Kobra schüttelt den Kopf.
»Todesursache?«
»Unbekannt! Als wir eintrafen, waren ihre Ohr- und Nasenlöcher geweitet, als hätte jemand einen Eispickel hineingetrieben. Überall war Gehirnmasse ausgetreten.«
»Was ergab die Autopsie denn genau?«
Kobra greift in die Innentasche seines Jacketts, zieht ein zusammengefaltetes Blatt Papier heraus und übergibt es mir, wobei er ein allzu großmütiges Lächeln unterdrückt.
Ich beginne zu lesen. Als Erstes fällt mir auf, dass jeder zweite Satz des Berichts mit dem Wort »wahrscheinlich« beginnt. Den Leichenfledderern schien es »wahrscheinlich«, dass der Schädel im Bereich der Ohren und Nase penetriert worden war. Der Tod – wenn man es so nennen kann – trat »wahrscheinlich« infolge der dadurch entstandenen Hirnverletzungen ein.
Ich falte den Autopsiebericht zusammen und werfe Kobra einen bittenden Blick zu. Er nickt und ich lege den Zettel in die Manila-Mappe. Mein Freund hat sich gerade strafbar gemacht und das weiß er genau.
»Können sich die Kunden bewegen? Hätte Frau Well eine Chance gehabt, dem Täter zu entkommen oder ihn im Kampf zu verletzen?«
Ich habe versäumt, Dr. Büker anzuschauen, während ich meine Frage stellte. Deshalb antwortet er mit einiger Verzögerung: »Nein! Sie führen, äh, spüren zwar ihren Körper – jedenfalls auf einem minimalen Niveau –, außerdem haben sie die Fähigkeit, ihre Gliedmaßen, ihre Augenlider, ihren Mund et cetera zu bewegen, aber nur in einem geringen Rahmen.«
»Wozu?«, erkundigt sich Kobra, der beim letzten Mal offenbar nicht richtig aufgepasst hat.
Dr. Büker antwortet dennoch geduldig: »Das Selbstbewusstsein braucht für seine Erhaltung einen eigenen Körper, denn wissen Sie, es wird sich niemals seiner selbst bewusst sein, wenn es die Reaktionen seines Körpers auf seinen Willen nicht registriert.«
Nachdenklich trete ich an das nächstgelegene Bett und betrachte das Ledergesicht von Angela, Lisbeths Nachbarin. »Sie war also völlig hilflos«, sage ich zu mir selbst. »Der Täter durchquerte demnach den hochgesicherten Eingang, überlistete die Überwachungssoftware, fuhr in aller Seelenruhe mit dem Fahrstuhl in das einundzwanzigste Untergeschoss und tötete sie mit einem nicht vorhandenen Eispickel.«
Plötzlich fällt mir etwas auf. »Was ist das für eine Flüssigkeit?« Ich deute auf Angelas eingefallene Nase.
Dr. Büker zieht seine Lesebrille aus der Brusttasche, setzt sie umständlich auf und beugt sich über die Kundin. »Ach, das passiert hin und wieder«, erklärt er, wobei er seine Stimme geübt mit einem beruhigenden Ton unterlegt. »Die hellgrüne Flüssigkeit ist der Blutersatz. Wir nennen sie Ciceri. Während in einem lebenden menschlichen Körper vier Komma fünf bis fünf Komma fünf Liter Blut zirkulieren, sind es bei unseren Kunden nur ein bis zwei Liter Ciceri. Trotzdem kommt es zu etwas Ähnlichem wie Nasenbluten, wenn sie sich zu stark anstrengen. Das ist aber kein Problem. Unsere Wartungsteams überprüfen den Ciceri-Druck permanent und korrigieren die Menge, falls nötig.«
»Sie kippen das Zeug einfach nach?«, fragt Kobra.
Dr. Büker faltet die Stirn. »Ich würde es nicht so vulgär ausdrücken – aber ja.«
Nun ist es an mir, eine peinliche Frage zu stellen: »Kann eine falsche Behandlung, sei es mit Ciceri oder einem anderen Medikament, die Verletzungen von Frau Well hervorgerufen haben? Wäre eine Fehlfunktion des Systems oder sogar eine Manipulation denkbar?«
»Sabotage?« Dr. Büker hebt entsetzt die Hände, wobei er zum ersten Mal seinen perfekt sitzenden Kittel derangiert. »Auf keinen Fall! So etwas ist unmöglich, völlig ausgeschossen, äh, ausgeschlossen. Dafür sind unsere Sicherheitsstandards viel zu hoch.«
Ich schaue ihn mit ernster, fast bedrohlicher Miene an. »Wo waren Sie am vergangenen Sonntag zwischen ein und drei Uhr nachts, Doktor Büker?«
Meine Frage kommt wohl viel zu überraschend. Zuerst bringt er keinen Ton heraus. Dann verfinstert sich sein Gesicht und seine Stimme schrillt nach oben. »Glauben Sie etwa, dass ich etwas mit der Sache zu tun habe? Das ist ungescheuerlich, äh, ungeheuerlich.«
Kobra beruhigt ihn. »Das ist nur eine Routinefrage. Herr Abakorn erweitert grundsätzlich den Kreis der Verdächtigen über den der Polizei hinaus.«
Eine Zeit lang ringt Dr. Büker nach Atem, dann antwortet er: »Also gut. Ich war zu Hause, bei meiner Braut, äh, Frau im Bett. So, jetzt wissen Sie es!«
»Das genügt mir«, antworte ich. »Wenn Sie mir freundlicherweise noch die Adresse und die Telefonnummer Ihrer Frau geben würden?«
Er diktiert sie widerwillig. Ich bedanke mich und schließe die Manila-Mappe.
Keine weiteren Fragen – vorerst.
…
© K.Theo Frank und Shadodex – Verlag der Schatten
»Mörder in der Mumienfarm«
von K. Theo Frank
ISBN (Taschenbuch):
978-3-98528-038-4
228 Seiten, Preis: 15,00 €
ISBN (epub): 978-3-98528-039-1
4,99 €
»Mörder in der Mumienfarm«
von K. Theo Frank
ISBN (Taschenbuch):
978-3-98528-038-4
228 Seiten, Preis: 15,00 €
ISBN (epub): 978-3-98528-039-1
4,99 €
Angaben zur Produktsicherheit:
Hersteller:
Shadodex - Verlag der Schatten, Bettina Ickelsheimer-Förster
Ruhefeld 16/1, D-74594 Kreßberg-Mariäkappel
E-Mail: info@verlag-der-schatten.de
Hersteller:
Shadodex - Verlag der Schatten, Bettina Ickelsheimer-Förster
Ruhefeld 16/1, D-74594 Kreßberg-Mariäkappel
E-Mail: info@verlag-der-schatten.de
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Diesen Artikel haben wir am Dienstag, 23. Juli 2024 in den Shop aufgenommen.