Wenn Vampyre und Götter sich bekriegen, gibt es dann noch eine Hoffnung für eine der Seiten?
Vielleicht!
Die Trilogie "Im Bann der Finsternis" von Marc Short besteht aus "Mercure - der Bote des Lichts", "Mars - der Krieger des Lichts" und "Venus - die Kriegerin des Lichts"
Teil 1 der phantastischen Trilogie "Im Bann der Finsternis" von Marc Short.
Lange konnte der Krieg zwischen Vampyren und Göttern verhindert werden. Jetzt, da die Menschheit nahezu ausgerottet ist, scheint eine Auseinandersetzung unvermeidbar.
Mercure, der Götterbote, will als Vermittler auftreten und mit den Halb-Vampyren ein Bündnis gegen die Vollblut-Vampyre schmieden.
Dabei kommt er der Vampyrin Serenety, die ihm nicht nur seine Grenzen aufzeigt, sondern auch ein längst vergessen geglaubtes Feuer in ihm entfacht, gefährlich nahe.
Kann der Bote sich darauf einlassen, ohne seine Aufgabe aus den Augen zu verlieren? Ohne den Krieg damit erst recht zu provozieren? Ohne eine Verbannung aus der Götterkuppel zu riskieren?
Und wird Serenety sich auf seine Seite und damit gegen ihren Vater, den Vampyr-König, stellen?
Teil 2 findet ihr hier: "Mars - der Krieger des Lichts" und Teil 3 hier: "Venus - die Kriegerin des Lichts".
Taschenbuch
ISBN: 978-3-946381-02-0
252 Seiten, Preis: 12,95 €
E-Book (nicht hier im Shop erhältlich)
ISBN: 978-3-946381-04-4 (epub)
Preis: 4,99 €
(S. 134 Mitte – S. 141 Mitte)
»Entscheiden?« Serenety blieb wie angewurzelt stehen.
Mercure ging weiter, während er sprach. »Du bist verunsichert. Du willst es nur nicht zugeben. Noch bist du nicht bei mir angekommen. Aber ein Zurück gibt es auch nicht mehr, oder? Du musst wissen, wohin du willst und für wen du deinen Kopf hinhalten würdest.«
»Nur damit ich auf eurer Seite stehe, zeigst du mir euer Herz? Das, wo ihr am meisten angreifbar seid?« Mercure schenkte ihr Glauben. Er vertraute ihr. Zeigte man einem Feind seine Wurzeln?
Serenety ging langsam in seine Richtung. Ihre Fingernägel schliffen über in farbigen Sandstein gemeißelte Körper.
»Ich war noch nie für den direkten Kampf. Ich war ein Mann der Worte und bin es noch immer. Gewalt ist mein letztes Mittel.«
»Wir werden sehen. Auch du bist nicht makellos.« Ihre Schritte beschleunigten sich – wie automatisch –, als ob eine unsichtbare Kraft die Vampyrin antrieb.
»Das habe ich nie behauptet. Richte dein Augenmerk bitte auf das dich Umgebende, sonst verlierst du das Wesentliche aus den Augen.« Mercure breitete die Arme aus. »Gefährten, Wegbegleiter, Freunde, so kann man sie nennen.«
»Was ist so besonders an ihnen? Eine Galerie, die Persönliches offenbart, die Gefährten, einen selbst und Mitstreiter porträtiert, haben viele. Zwar eher in Form von Bildern als Skulpturen, aber das gab es schon vor Hunderten von Jahren.«
»Sie leben.« Mercure drehte sich im Kreis und durchmaß den Raum mit träumerischem Blick.
»Leben? Du willst sagen …«
»Ich will nicht nur, es ist so. Hier wohnen die Seelen von Hunderten von uns. Ihre Körper mögen aus Stein sein. Ihr Geist ist frei. Manche sind freiwillig erstarrt. Manche hat das Schicksal gerufen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie sagten, sie würden irgendwann wiederkehren. Dieser Raum, meine Liebe, ist Vergangenheit und Zukunft zugleich. Spürst du diesen Hauch, den Luftzug, der nicht sein dürfte, die Berührung, die nicht sein sollte, das Streifen eines Geistes, eines Gedankenfetzens, einer Frage?«
»Ich …« Serenety wollte einatmen. Ihre Lungen versagten. Tränen stiegen in ihre Augen. »Das ist ein Seelenkerker«, stieß sie hervor, und sie torkelte rückwärts.
»Ich würde es als Oase des Friedens bezeichnen. Hier wird dir niemand etwas tun. Dieser Raum ist eine Friedenszone. Selbst mit den mörderischsten Gedanken würde dich hier niemand bekämpfen.«
Dieser Ort war eine Goldgrube. Wenn er ihrem Vater in die Hände fallen sollte, würde er ein Druckmittel erster Klasse haben. Vulcano könnte den Ort in ein Massengrab verwandeln. Die Seelen dieser Persönlichkeiten würden zu wehrlosen und durch die Ewigkeit treibenden Schatten werden. Wenn sie dieses Geheimnis ihrem Vater verriet und ihn herbrächte, würde er ihr alles erzählen. Er würde ihr endlich auf Augenhöhe begegnen und sie neben sich dulden. All die brennenden Fragen würden Antworten erhalten. All …
Ein eisiger Hauch streifte sie. Er verursachte Kopfschmerzen. Sie zog die Stirn kraus und ging in die Knie. »Ich dachte, das ist ein Ort des Friedens«, ächzte sie.
»Was nicht heißt, dass deine Gedankenströme ungehört verhallen.«
»Ich werde belauscht?«
»Belauscht, angehört, berichtigt … es ist, wie es ist. Sieh es als Zeichen. Der Pool der hier Anwesenden will dir seine Meinung zu deinem Gedachten kundtun. Jemand wie du war niemals dafür vorgesehen, diesen Raum zu betreten. Jemand wie du sollte und dürfte hier nicht sein. Und doch ist es so. Nichts wird mehr sein, wie es mal war. Es wird Zeit, neue Wege zu gehen, die eingeschränkte Sicht zu erweitern und sich anzupassen. Wir müssen uns arrangieren. Vor allem aber müssen wir agieren.«
»Mir scheint, dir fehlt jemand zum Reden.«
Mercure zuckte mit den Schultern. »Du siehst selbst, was draußen vor sich geht.«
»Sind wir hergekommen, um zu reden?«
Mercure fasste sie an den Händen. Seine Augen bohrten sich in ihre. Er beugte seinen Kopf so weit zu ihr herunter, dass sich die Nasenspitzen berührten. »Wir beide markieren den Beginn einer neuen Allianz. Wenn wir nicht schaffen, einander zu akzeptieren und uns gegenseitig zu vertrauen, wird meine letzte Hoffnung im Keim erstickt.«
»Du setzt viel in mich. Und auf mich.« Ihre Stimme hatte einen nachdenklichen Ton.
»Du erinnerst mich einfach …« Erst nach einer Pause setzte er seinen Satz fort: »… an jemanden von früher. Ich spüre Gefühle, die ich vor langer Zeit vergraben habe. Erinnerungen drängen hervor. Vielleicht ist die Zeit endlich gekommen.«
»Die Zeit wofür? Musst du immer in Rätseln sprechen?«
»Ich muss dir vertrauen können. Der Einblick, den ich dir gewähre, kann uns Göttern die Existenz kosten. Er kann sie aber auch erhalten. Darum zeige ich dir noch etwas anderes. Komm!«
Sie folgte ihm dicht auf den Fersen. Der fehlende Widerhall ihrer Schritte brachte sie aus dem Rhythmus. Serenety langte nach seinem Arm und klammerte sich daran. Kurz spürte sie ein Muskelzucken, doch er ließ sie gewähren.
Es ging mal nach rechts, mal nach links, mal geradeaus und dann wieder im Zickzack. Hier mussten wahrlich Hunderte von Seelen wohnen. Das Schwert, das Mercure ihr in die Hand gab, wurde immer schärfer. Warum legte er diese Last auf ihr ab? Wenn er so tief in sie hineinsah, müsste er erkennen, wie sehr sie an ihrem Vater hing. Wie sehr sie an einem gemeinsamen Weg mit ihm interessiert war. Wie sehr ihre Fragen auf Antworten brannten, die allein Vulcano ihr geben konnte.
Das hatte seinen Preis. Einen hohen Preis. So war es schon immer gewesen.
…
Der Seelenhort war niemals gleich. Mit dem Eintritt eines Besuchers begann er, sich zu verändern. Er formte sich neu. Gedanken des Gastes, die bisher im Hintergrund standen, traten nach vorne.
Im Götterboten entfalteten sich Leere und ein Gefühl von Trauer. Als er den Gedanken fand, der die drückende Stimmung nährte, lösten sich die tastenden Seelen von ihm und wanderten zu ihr, zu der Frau, die teils freiwillig, teils zufällig seine Begleiterin war. Jedes Mal wenn er sie ansah, blieben seine Augen länger an ihr haften als gut war. Verlangen erwachte in ihm – das Verlangen nach ihrem Körper und nach ihrer Seele. Dabei hatte er sich geschworen, sich nie mehr zu verlieben. Er hatte sein Herz ein Mal vergeben. Diese Hingabe hatte ihn zerstört – ihn und seine innere Welt.
»Siehst du das blaue Leuchten?« Seine Stimme klang, als ob sie von weither kommen würde – selbst für ihn. Er war nicht bei der Sache. Es lag an dem Ort und an den Seelen. Sie hatten etwas erfahren und waren in Aufruhr. Dieses Wissen wollten sie ihm mitteilen. Ihr Zupfen verursachte Kopfschmerzen und schwächte seine Konzentration.
Nicht jetzt! Sein mentaler Schrei war mächtig. »Geh und sieh es dir an«, sagte er zu Serenety, ganz auf seine Worte fixiert.
Die Vampyrin kam seinen Worten nach. Mercure verfolgte jeden ihrer Schritte wie der Jäger die seiner Beute. Verdammt, warum sehnte er sich so sehr nach ihrem Fleisch? Und warum – bei allen Göttern – wollte er, dass sie ihn biss? Das war unverzeihlich. Es war das Risiko nicht wert. Wenn die Zeichen eines unheilbaren Bisses auf einem Gott lasteten, wurde er vom lichten Kreis ausgeschlossen und ins Exil verbannt. Wenn er jemals seinem wachsenden Verlangen nachgeben würde, würde es genügend Brüder und Schwestern geben, die ihn, streng nach den Richtlinien, ins Exil verbannen würden.
Serenety hatte das Gebilde, das einem Schrein glich, erreicht. Eine muskulöse Figur und eine schlanke, schmalhüftige mit zarten Brüsten formten über einer Muschelschale einen Bogen. Die Göttin hielt die Muschel über ihrer Stirn, ihr Blick glitt zum Dach, das der Kopf des Gottes bildete. Er hatte seine Hände auf ihre Oberarme gelegt, stützend und haltend zugleich. In der Schale lag ein tropfenförmiges Planetenkorn. Die Mutter der Macht, der Seelenquell.
Mercure blieb wie angewurzelt stehen, als Serenetys Finger sich wie automatisch danach ausstreckten.
»Nicht! Es ist das Korn der Schöpfung. Unser Seelensplitter.« Wo blieb ihre Haltung? Wollte sie nicht auf seiner Seite stehen? »Niemals darfst du dieses Heiligtum berühren. Es käme einer Entehrung gleich.«
Die Hand der Vampyrin verweilte in der Luft, ihre Nägel kratzten aber an der spiegelnden Oberfläche des Gegenstands. »Was, wenn ich dir nicht glaube? Wenn ich euer heiliges Schätzchen entferne und im nächsten Moment für immer verschwinde?«
»Das kannst du nicht. Der Seelenschleier in diesem Raum bildet eine unüberwindbare Barriere.«
»Sicher? Ich denke, ich kann ihn überwinden. Ein ständiges Prickeln umschmeichelt meinen Körper. Du wirst schwächer, ich werde stärker. Neue Energien füllen mich aus. Ich kann die Seelen lokalisieren, blocken und zurückdrängen. Ich glaube nicht, dass mich etwas daran hindern könnte, zu verschwinden.«
Ein Gedanke meldete sich aufdringlich in seinem Geist. Er änderte alles. Mercure hatte versucht, ihn zu verdrängen. »Seri, du …«
»Es tut mir leid. Ich muss gehen«, unterbrach sie ihn. »Deine Freunde sind im Anmarsch. Sie werden zu spät kommen.« Ihr Körper begann, an Masse zu verlieren. Ihre Gestalt wurde durchscheinend. »Überdenk noch einmal deine Worte, dass Gewalt keine Lösung ist.«
»Das kannst du nicht! Ich habe dir vertraut. Ich will, dass wir beide, dass wir … Verdammt, Seri, ich spüre Gefühle in mir für dich. Ich …«
»Sprich die Worte nicht aus!« Der letzte wabernde Rest der Vampyrin trat auf den erstarrten Götterboten zu. Ihre nahezu durchsichtigen Finger fuhren sanft über seine Wange und den Hals hinab. Eine Träne entglitt ihr. »Ich empfinde genauso. Ich kann und darf aber nicht. Auf Wiedersehen, Bote, dessen Botschaft mein Herz erreichte. Zu anderen Zeiten hätte diese Geschichte anders ausgehen können.«
»Serenety!« Mercures Welt begann zu bröckeln, als sie sich vor seinen Augen auflöste und verschwand – zusammen mit dem Seelenquell.
Er warf einen Blick auf die jetzt leere Muschelschale, und ihm schien, als sei der Stein, aus dem die Figuren waren, plötzlich porös. Alles fühlte sich anders an. Der Raum war mit einem Mal nur noch ein normaler Raum ohne jegliche Besonderheit.
»Die Seelen«, murmelte er. »Sie sind aufgebrochen. Sie folgen der Vampyrin.« Zwischen Angst und Hoffnung hin und her getrieben wandte er sich um und wollte den Hort verlassen.
Er kam keine zehn Schritte weit. Venus, Mars, Pluto und Saturn versperrten ihm den Weg. Keine Miene zeigte Verständnis. Für das, was er getan hatte, gab es kein Verzeihen.
...
»Im Bann der Finsternis: Mercure – der Bote des Lichts«
von Marc Short
ISBN (Taschenbuch):
978-3-946381-02-0
252 Seiten, Preis: 12,95 €
ISBN (epub): 978-3-946381-04-4
4,99 €
Fantasy-Roman mit einer Prise Erotik
Hersteller:
Shadodex - Verlag der Schatten, Bettina Ickelsheimer-Förster
Ruhefeld 16/1, D-74594 Kreßberg-Mariäkappel
E-Mail: info@verlag-der-schatten.de
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