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"Die Chronik der Dämonenfürsten - Teil1: Die Engel des Todes" von Monika Grasl
"Die Chronik der Dämonenfürsten - Teil1: Die Engel des Todes" von Monika Grasl
Wenn die Dämonenfürsten die Welt beherrschen ...
Teil 1 der Heptalogie "Die Chronik der Dämonenfürsten" von Monika Grasl.
Die Studentin Evy Munro leidet an Lungenkrebs. Doch das ist nicht ihr einziges Problem, denn ihr verhasster Nachbar Vincent stellt sich plötzlich als ihr persönlicher Engel des Todes vor, der ihr dabei helfen soll, mit ihrem Leben abzuschließen.
Obwohl Vincent nichts Genaues von seinem Vorgesetzten Azrael erfährt, ahnt er schnell, dass hinter diesem Auftrag noch viel mehr steckt. Als Dämonenboten auftauchen und Jagd auf Evy machen, wird ihm klar, dass der Dämonenfürst Dantalion Krieg in die Welt bringen will. Dafür muss er Evys Seele vernichten, die laut einer Prophezeiung verhindern könnte, dass die Kreaturen der Hölle die Erde betreten. Doch auch Azrael braucht ihre Seele.
Muss sie aber wirklich geopfert werden, um die Menschheit vor dem drohenden Krieg zu bewahren? Gibt es keine andere Möglichkeit, Dantalion am Ausbruch zu hindern?
Die Heptalogie besteht aus Teil 1 "Die Engel des Todes", Teil 2 "Die Herrschaft der Dämonenfürsten" Teil 3, "Der Krieg der Cherubim", Teil 4 "Mit himmlischem Beistand in die Hölle", Teil 5 "Der siebte Thron", Teil 6 "Die Regenten der Hölle" und Teil 7 "Das Buch von Leben und Tod".
TaschenbuchISBN: 978-3-946381-14-3
228 Seiten, Preis: 14,00 €
E-Book (nicht hier im Shop erhältlich)
ISBN: 978-3-946381-16-7 (epub)
Preis: 3,99 €
Teil 1 der Heptalogie "Die Chronik der Dämonenfürsten" von Monika Grasl.
Die Studentin Evy Munro leidet an Lungenkrebs. Doch das ist nicht ihr einziges Problem, denn ihr verhasster Nachbar Vincent stellt sich plötzlich als ihr persönlicher Engel des Todes vor, der ihr dabei helfen soll, mit ihrem Leben abzuschließen.
Obwohl Vincent nichts Genaues von seinem Vorgesetzten Azrael erfährt, ahnt er schnell, dass hinter diesem Auftrag noch viel mehr steckt. Als Dämonenboten auftauchen und Jagd auf Evy machen, wird ihm klar, dass der Dämonenfürst Dantalion Krieg in die Welt bringen will. Dafür muss er Evys Seele vernichten, die laut einer Prophezeiung verhindern könnte, dass die Kreaturen der Hölle die Erde betreten. Doch auch Azrael braucht ihre Seele.
Muss sie aber wirklich geopfert werden, um die Menschheit vor dem drohenden Krieg zu bewahren? Gibt es keine andere Möglichkeit, Dantalion am Ausbruch zu hindern?
Die Heptalogie besteht aus Teil 1 "Die Engel des Todes", Teil 2 "Die Herrschaft der Dämonenfürsten" Teil 3, "Der Krieg der Cherubim", Teil 4 "Mit himmlischem Beistand in die Hölle", Teil 5 "Der siebte Thron", Teil 6 "Die Regenten der Hölle" und Teil 7 "Das Buch von Leben und Tod".
TaschenbuchISBN: 978-3-946381-14-3
228 Seiten, Preis: 14,00 €
E-Book (nicht hier im Shop erhältlich)
ISBN: 978-3-946381-16-7 (epub)
Preis: 3,99 €
Leseprobe
»Die Chronik der Dämonenfürsten – Teil 1: Die Engel des Todes«
»Die Chronik der Dämonenfürsten – Teil 1: Die Engel des Todes«
von Monika Grasl
(S. 30 – S. 33)
Mittwoch, 17. Januar 2018
Cambridge
Mittwoch, 17. Januar 2018
Cambridge
Vincent stand angespannt hinter seiner Wohnungstür. Zum ersten Mal seit zwei Tagen konnte er hören, dass Evy die Wohnung verließ. Ihrem Fluchen nach war sie über die Post gestolpert, die er auf der Türschwelle abgelegt hatte. Er konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.
Es verschwand sogleich wieder. Sie glaubte ihm nicht. Das war unmissverständlich gewesen.
Vincent war gut als Engel des Todes, weil er sich von den Menschen fernhielt. Intensivere Beziehungen brachten eine Schwäche mit sich, die er sich nicht leisten durfte.
Evy war ihm jedoch keineswegs gänzlich gleich. Er mochte ihre schroffe und direkte Art.
Seufzend strich sich Vincent die Haare zurück, griff nach seinem Mantel, warf ihn sich über und ging in Richtung Aufzug, um Evy zu folgen.
Nur kurze Zeit später lenkte er seinen Geländewagen hinein in den dichten Mittagsverkehr. Da er seit zwei Tagen eine geistige Verbindung zu Evy hatte – eine, die nur zwischen dem Sterbenden und seinem Engel des Todes bestand –, musste er ihr nicht direkt folgen.
»Fährst du deine Großmutter besuchen?«, flüsterte Vincent, als Evy auf der Massachusetts-Avenue zum Saint Pauls Friedhof fuhr.
Da ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen waren, war sie bei der gläubigen Frau in Arlington aufgewachsen. Evy suchte ihr Grab daher häufig auf.
Es war zwar nicht die klügste Idee, seinem Schützling dorthin zu folgen, aber er musste einfach irgendwie zu ihr durchdringen. Und hier und jetzt hatte er vielleicht die Gelegenheit, die reizbare junge Frau besser kennenzulernen, ihre gefühlvolle Seite zu erleben.
Vincent fand Evy tatsächlich vor dem Grab ihrer Großmutter. Er stellte sich mit einigem Abstand zu ihr unter einen Kastanienbaum und lauschte.
»… Mein Engel des Todes. Hast du schon mal so einen Scheiß gehört, Oma? Der hat sie doch nicht mehr alle. Du solltest ihn sehen. Dieses selbstgefällige Grinsen! Und seine Art! Er ist ein arroganter Arsch, aber sicher kein …«
»Nettes Mädel, was?«, erklang es neben ihm, weshalb er den restlichen Satz nicht verstehen konnte.
Er wandte den Kopf und sah in ein paar graublaue Augen.
Abschätzend betrachtete er sein Gegenüber mit dem Lippenpiercing und der Drachentätowierung, die sich seinen Hals hinaufwand. Sie wurde an einigen Stellen durch den Dreitagebart verdeckt.
»Kann sein. Kennen Sie die Frau?«
»Will ich doch meinen. Sie kommt sehr oft hierher und besucht ihre Großmutter.«
»Aha.«
Vincent bewegte sich ein Stück von ihm weg. Der Alkoholgeruch war kaum auszuhalten. Dass er trank, konnte man auch an der geröteten Nase deutlich erkennen. Außerdem musste sie einige Male Bekanntschaft mit einer Faust geschlossen haben.
»Ich bin übrigens Terry. Terry O’Conelle.«
»Sie scheinen wohl auch jemand zu besuchen«, stellte Vincent mit Blick auf die Blumen in dessen Hand fest.
»Nein. Ich bin der Totengräber.«
Die Aussage verwunderte Vincent nun doch und erinnerte ihn daran, dass man sich nie von der äußeren Erscheinung eines Menschen täuschen lassen durfte. Immerhin waren ihm schon Bankdirektoren untergekommen, die ausgesehen hatten, als würden sie auf der Straße leben.
Er besah sich die Person mit der hellen Haut und dem kurzen, braunen Haar genauer. Es waren einige blonde Strähnen darin. Vermutlich hineingefärbt. Wenn Vincent raten müsste, hätte er Terry wohl auf Mitte dreißig geschätzt und das Ende des Mannes war vermutlich: Leberzirrhose.
Plötzlich schoss ein stechender Schmerz durch seinen Körper. Terry O’Conelle würde also irgendwann zu seinem Fall werden.
Na super! Das hat mir ja noch gefehlt, schoss es ihm durch den Kopf, bevor er fragte: »Sehr oft, sagten Sie?«
»Ja. Sie kommt immer gegen Mittag und fährt dann zur Uni. Die Kleine hatte es wahrlich nicht leicht. Musste sich mit der Friedhofsverwaltung wegen des Platzes unter den Trauerweiden streiten. Der ist eigentlich nur Leuten vorbehalten, die mit dem Bürgermeister oder anderen hohen Tieren gut gestellt sind. Da kann man sich auf den Kopf stellen oder freihändig Purzelbäume schlagen. Bevor man hier als Normaler jemand beisetzen darf, ist es wahrscheinlicher, dass die Hölle zufriert. Sie hat es dennoch geschafft und ihren Kopf durchgesetzt.«
Es war gut für Vincent, dass Terry gerne redete. Dadurch entging ihm aber leider, was Evy über ihn noch von sich gab. Ebenso bemerkte er zu spät, wie sie direkt auf ihn zukam.
»Was willst du hier? Sag mal, verfolgst du mich?«
»Hey, Evy.«
»Hey, Terry«, grüßte sie den Totengräber lächelnd.
»Evy, wir sollten uns noch mal …«
»Du sollst dich von mir fernhalten. War das nicht deutlich genug?« Sie stieß Vincent mit dem Finger gegen die Brust.
»Wir müssen trotzdem …«
»Nein! Ich habe es dir schon gesagt, ich brauche dich nicht.« Damit stampfte Evy an ihm vorbei und verschwand in Richtung Ausgang.
Ein vernehmliches Räuspern veranlasste Vincent dazu, dem Mann einen raschen Seitenblick zu schenken.
»Ärger?«, fragte Terry.
»Wie man’s nimmt.«
»Frauen sind einfach nicht zu verstehen, Junge. Glaub mir, ich habe da mehr als genug Erfahrung. Ich habe Frauen kennengelernt, die haben am Sarg ihres Mannes noch getrauert. Kaum war er begraben, haben sie sich dem Nächstbesten an den Hals geworfen. Und dann gibt’s solche wie Evy. Bei denen kannst du einfach nicht landen«, sinnierte der Totengräber.
»Mag sein. Aber hierbei geht’s um was anderes.«
»Familiensache?«
Vincent nickte lediglich, worauf sein Gegenüber ihm mitfühlend auf die Schulter klopfte, ehe er zwischen den Gräbern verschwand.
Seufzend trat Vincent an das Grab von Evys Großmutter heran. Er hatte die Frau nie kennengelernt. Aber Sandreas Abschlussbericht war aufschlussreich genug gewesen.
Evys Einstellung hatte wenig mit der der alten Dame gemein, weshalb sie ihr Schicksal nicht so schnell akzeptieren würde. Das Problem war nur: Die Zeit hatte sie nicht. Vincent musste sich also dringend etwas überlegen.
»Sie haben wohl auch keinen Rat, Martha?«, fragte er mit Blick auf den Grabstein.
Natürlich bekam er keine Antwort.
(S. 95 – S. 97)
Samstag, 10. Februar 2018
Cambridge
Samstag, 10. Februar 2018
Cambridge
Vincent schlief in dieser Nacht nicht besser als in den vorangegangenen Nächten. Diesmal war es jedoch keineswegs Evys Gefühlslage, die ihn wach hielt, sondern die Gefahr, die drohte. Nach einer weiteren Stunde sinnlosen Herumwälzens stand er auf.
Die Zeiger der Uhr sagten ihm, dass es etwa drei Uhr nachts war. Wo anders aber war jetzt Tag.
Er nahm sein Handy, ging damit ins Wohnzimmer und legte sich auf das Sofa, während er die Nummer wählte. Dabei sann er darüber nach, wie lange seine letzte Unterhaltung mit Sandrea zurücklag. Es musste mehr als ein Jahr her sein. Da hatte er ihr gesagt, dass es zwischen ihnen einfach nicht funktionierte.
»Ist lange her«, ertönte es abrupt aus der Leitung.
Vor Schreck wäre Vincent beinahe das Handy entglitten.
»Ja«, murmelte er.
»Was ist los? Hast du die ersten Schritte eingeleitet?«
Professionell wie immer klang Sandreas rauchige Stimme. Er wurde jedoch das Gefühl nicht los, dass sie bereits wusste, was sich in Cambridge abspielte.
»Lass uns nicht unnötig Floskeln austauschen, Sandrea. Dämonenboten sind hinter ihr her.«
Es wurde erstaunlich still. Dass keine Erwiderung auf seine knappe Erklärung kam, wunderte ihn, deutete ihm aber auch an, dass Sandrea mal wieder mehr wusste als der Rest von ihnen – vor allem er. Obwohl es doch sein Fall war.
»Hat Azrael vor, sie persönlich zu töten, um den Krieg zu verhindern?«, wollte er wissen.
»Ich werde mit Azrael …«
»Nein, Sandrea! Und glaub ja nicht, dass ich mich hinhalten lasse. Sag mir einfach, was du weißt.«
»Ich kann nicht. Mir selbst liegen zu wenig Informationen vor. Es gibt aber jemand, der dir die Antworten geben könnte«, gab sie zögerlich zurück.
»Wer?«
»Merfyn«, kam es kaum hörbar zur Antwort.
Vincent setzte sich auf dem Sofa auf. »Sag mal, willst du mich verarschen?«, gab er gereizt zurück. »Ein verdammter Dämonenbote? Der soll mir sagen können, was Azrael gedenkt zu tun?«
»Es ist die einzige Möglichkeit. Ich schick dir seine Nummer.«
»Die brauch ich nicht. Ich benötige …«
»Antworten, ja, das habe ich verstanden, Vincent. Und ich sage dir, dass Azrael nicht bereit ist, darüber zu reden. Also hast du die Wahl zwischen Merfyns Wissen oder der absoluten Unkenntnis.«
»Das ist, als müsse man sich zwischen Pest und Cholera entscheiden.«
»Beides keine schönen Aussichten. Aber mir scheint, dein Schützling hat es auch nicht gerade besser erwischt. Azrael sagte mir, um wen es sich handelt. Wie schlimm ist sie?«
»Wie schrecklich war es mit ihrer Großmutter?«, hielt Vincent dagegen.
»Sie war eine nette, alte Dame. Sehr zuvorkommend, jedoch auch aufbrausend.«
»Großartig. Ich hab hier nur aufbrausend. Aber ich denke, allmählich habe ich sie so weit, dass sie sich von der Uni ausschreiben lässt.«
»Das hast du bis jetzt zuwege gebracht? Vincent, was treibst du dauernd? Sie hat nicht viel Zeit! Selbst die Chemo zögert ihr Schicksal nur um wenige Monate hinaus«, kam es wütend aus der Leitung.
Vincent stieß hörbar den Atem aus. Er wusste nicht, wie er Sandrea erklären sollte, dass Evy noch keine Therapie begonnen hatte.
Ihr leises Seufzen zeigte ihm, dass sie dies bereits ahnte.
»Ich habe Azrael gleich gesagt, dass es für dich zu schwierig ist.«
»Kümmere dich um deine Todgeweihten!«, fuhr er sie an.
»Das mache ich. Aber dann leiste deinen Beitrag. Ich war von Anfang an dagegen, dass du schon alleine arbeitest.«
»Du meinst wohl eher, du wolltest mich nicht am anderen Ende der Welt wissen. Ich hab es dir bereits vor einem Jahr gesagt, aus uns beiden wird nichts.«
»Mag sein. Aber das bedeutet nicht, dass wir deswegen ausfallend werden müssen.«
»Du hast recht. Und jetzt entschuldige mich, ich muss mit einem scheiß Dämonenboten telefonieren.«
Wütend legte er auf, ohne eine Verabschiedung abzuwarten. Er war gerade dabei, die Nummer zu wählen, die Sandrea ihm tatsächlich geschickt hatte, als ihm ein eigentümlicher Geruch in die Nase stieg. Es roch nach Rauch, aber keineswegs, als wäre jemand das Essen angebrannt. Vielmehr war es, als würde etwas in Flammen stehen.
Einem inneren Instinkt folgend trat er auf die Tür zu und öffnete sie. Dicker Qualm schlug ihm entgegen. Hustend wich Vincent zurück. Von draußen konnte er Sirenen hören. Die Feuerwehr war also bereits informiert.
Er hielt sich den Arm über Nase und Mund, griff nach seinem Mantel, schlüpfte hinein und wollte fliehen, aber etwas hielt ihn zurück. Es war eine innere Unruhe, die nur von einer einzigen Person ausgelöst werden konnte. Evy!
(S. 149 – S. 152 oben)
Mittwoch, 28. Februar 2018
Mittwoch, 28. Februar 2018
Bober-Katzbach-Gebirge
Der Dämonenbote sprach kein Wort. Auch Nevin schwieg. Ihre Augen waren auf das Gebäude gerichtet. Es machte einen heruntergekommenen Eindruck.
Merfyn fragte sich nicht zum ersten Mal, wie man ein Gotteshaus so lieblos behandeln konnte. Seit das Geld aber in die Taschen von mächtigen Leuten floss, blieb nichts übrig, um Klöster oder gar Kulturgüter zu erhalten.
»Seid Ihr Euch sicher, dass es der richtige Ort ist?«
Nevin antwortete nicht sofort. Sein Blick huschte von dem Kloster und über seine Schulter hinweg die Gebirgsstraße entlang. Zeitgleich zerknüllte er zum wiederholten Mal das Papier in seiner Hand. Sollte Kardinal Carlos eine Abneigung gegen sie hegen, so hatte er sie definitiv an den entlegensten Punkt der Welt geschickt.
»Es muss richtig sein«, kam es überzeugt von Nevin.
»Hoffen wir es. Ich weiß nicht, ob Ihr die Zeitung heute Morgen gelesen habt, aber erste Unruhen machen sich breit. Außerdem wird von mehreren Pesttoten in Spanien und Ungarn berichtet.«
»Dann sollten wir keine Zeit verlieren.«
Festen Schrittes trat Nevin auf das Tor zu und zog an der Schnur, die an einer Glocke befestigt war. Der Klang hallte leise nach – kaum laut genug, um die Aufmerksamkeit von jemand zu erregen.
Merfyn schlug den Kragen des Mantels hoch. Vor Kälte zitternd stieg er von einem Fuß auf den anderen.
Der Schneefall hatte ihre gesamte Reise beeinflusst. Zudem war der direkte Flug von Rom nach Warschau gestrichen worden, weshalb sie umbuchen mussten. Merfyn war daher erneut in Wien gestrandet. Sogleich hatte er dort einen Mietwagen besorgt, weil niemand abschätzen konnte, wann und ob der Flugverkehr wieder freigegeben wurde – jetzt, wo die Pest begann, sich auszubreiten.
Das Misstrauen in der Bevölkerung war ihm bereits aufgefallen. Jeder betrachtete seine Mitmenschen eindringlich, als würde ein Hustender gleich den Tod für alle bedeuten. Man musste nur darauf warten, bis der Erste die Nerven verlor und sein Gegenüber erschlug. Als ob das die Sache besser machen würde!
»Scheint keiner hier zu sein«, meinte er nach einer Weile.
»Es wird jemand öffnen.«
Kopfschüttelnd stieß Merfyn den Atem aus. Er bildete kleine Wölkchen vor seinem Mund. Gleichzeitig überlegte er, wann der Rotz wohl gefrieren würde, der unablässig aus seiner Nase lief, und ihm schoss durch den Kopf, dass die eineinhalbstündige Autofahrt von Breslau aus wohl umsonst gewesen war. »Wie alt, sagtet Ihr, ist dieses Kloster?«
»Zwanzig Jahre«, antwortete Nevin leise.
Merfyn blinzelte ungläubig. »Verarscht mich nicht! Das Ding sieht aus, als würde es seit zwei Jahrhunderten hier stehen.«
»Das bringt die Gegend mit sich. Durch den ständigen Wind und den Regen ist der Stein sehr rasch gealtert.«
»Wenn nicht bald wer kommt, ergeht es uns genauso«, murrte der Dämonenbote.
Es entlockte Nevin ein leises Lachen, bevor er erneut an der Schnur zog und dann an das Tor klopfte.
»Soll ich mal?«, fragte Merfyn genervt und trat näher.
»Besser nicht, sonst erschreckt Ihr noch jemand zu Tode.«
Ein Schnauben kam über Merfyns Lippen, während ihm plötzlich ein vertrauter Geruch in die Nase stieg. Es wunderte ihn nicht, dass der Kardinal diesen nicht wahrnahm. Er war zu fein und noch nicht ausgereift genug. Aber ihm genügte es, um alles zu erfahren.
»Ihr könnt mit dem Klingeln und Klopfen aufhören«, meinte er abrupt.
Nevin sah ihn verwundert an. »Was bringt Euch zu einer solchen Aussage?«
»Seid froh, dass Ihr ein Mensch seid. Ihr bemerkt nicht, was ich rieche. Hier wird uns keiner mehr öffnen.«
»Nein«, hauchte der Geistliche fassungslos.
»Wir sollten dennoch nachsehen. Oder … Ihr wartet besser hier. Immerhin könnte …« Merfyn kam nicht dazu, weiterzureden. Der Kardinal drückte schon gegen das Tor. Unter ohrenbetäubendem Quietschen schwang es auf, und Nevin trat sogleich ein. Es zwang den Boten dazu, ihm zu folgen.
»Ihr solltet besser draußen …« Merfyn verstummte, als sich sein Gegenüber schwungvoll umdrehte.
»Ich bin Kardinal! Wenn es meine Bestimmung ist, hier zu sterben, soll es so sein. Aber ich werde mich gewiss nicht hinter einem Dämonenboten verstecken. Und jetzt lasst uns nachsehen, was sich hier zugetragen hat.«
...
© Monika Grasl und Verlag der Schatten
»Die Chronik der Dämonenfürsten – Teil 1
Die Engel des Todes«
von Monika Grasl
ISBN (Taschenbuch):
978-3-946381-14-3
228 Seiten, Preis: 14,00 €
ISBN (epub): 978-3-946381-16-7
Preis: 3,99 €
Urban Fantasy mit Engeln, Dämonen und einer Prohpezeiung
Angaben zur Produktsicherheit:
Hersteller:
Shadodex - Verlag der Schatten, Bettina Ickelsheimer-Förster
Ruhefeld 16/1, D-74594 Kreßberg-Mariäkappel
E-Mail: info@verlag-der-schatten.de
Hersteller:
Shadodex - Verlag der Schatten, Bettina Ickelsheimer-Förster
Ruhefeld 16/1, D-74594 Kreßberg-Mariäkappel
E-Mail: info@verlag-der-schatten.de
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