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"Die Chronik der Dämonenfürsten - Teil 2: Die Herrschaft der Dämonenfürsten" von Monika Grasl
"Die Chronik der Dämonenfürsten - Teil 2: Die Herrschaft der Dämonenfürsten" von Monika Grasl
Wenn die Dämonenfürsten die Welt beherrschen ...
Teil 2 der Heptalogie "Die Chronik der Dämonenfürsten" von Monika Grasl.
Man schreibt das Jahr 3500. Die freien Menschen leben verborgen im Untergrund. Die Großfürsten der Hölle halten die Städte besetzt und einen Teil der Menschheit als Sklaven.
Da erhebt sich ein Mann namens Salomo und krönt sich zum König. Er will der Herrschaft der Großfürsten ein Ende setzen.
Wird das Leben unter Salomo aber tatsächlich besser sein?
Die Heptalogie besteht aus Teil 1 "Die Engel des Todes", Teil 2 "Die Herrschaft der Dämonenfürsten" Teil 3, "Der Krieg der Cherubim", Teil 4 "Mit himmlischem Beistand in die Hölle", Teil 5 "Der siebte Thron", Teil 6 "Die Regenten der Hölle" und Teil 7 "Das Buch von Leben und Tod".
Taschenbuch
ISBN: 978-3-946381-29-7
308 Seiten, Preis: 16,00 €
E-Book (nicht hier im Shop erhältlich)
ISBN: 978-3-946381-31-0 (epub)
Preis: 4,99
Teil 2 der Heptalogie "Die Chronik der Dämonenfürsten" von Monika Grasl.
Man schreibt das Jahr 3500. Die freien Menschen leben verborgen im Untergrund. Die Großfürsten der Hölle halten die Städte besetzt und einen Teil der Menschheit als Sklaven.
Da erhebt sich ein Mann namens Salomo und krönt sich zum König. Er will der Herrschaft der Großfürsten ein Ende setzen.
Wird das Leben unter Salomo aber tatsächlich besser sein?
Die Heptalogie besteht aus Teil 1 "Die Engel des Todes", Teil 2 "Die Herrschaft der Dämonenfürsten" Teil 3, "Der Krieg der Cherubim", Teil 4 "Mit himmlischem Beistand in die Hölle", Teil 5 "Der siebte Thron", Teil 6 "Die Regenten der Hölle" und Teil 7 "Das Buch von Leben und Tod".
Taschenbuch
ISBN: 978-3-946381-29-7
308 Seiten, Preis: 16,00 €
E-Book (nicht hier im Shop erhältlich)
ISBN: 978-3-946381-31-0 (epub)
Preis: 4,99
Leseprobe
»Die Chronik der Dämonenfürsten – Teil 2:
Die Herrschaft der Dämonenfürsten«
von Monika Grasl
(Seite 9 - 11)
3500 n. Chr.
»Die Chronik der Dämonenfürsten – Teil 2:
Die Herrschaft der Dämonenfürsten«
von Monika Grasl
(Seite 9 - 11)
3500 n. Chr.
Der Mond stand als volle Scheibe am Firmament. Ein eisiger Wind strich über die Gestalt hinweg, während sie die Augen geschlossen hielt. Irgendwo in der Ferne waren Stimmen zu vernehmen. Gesprächsfetzen, die sie vielleicht etwas angingen … oder auch nicht. Es würde sich früh genug herausstellen.
Vergiss meinen Namen nicht und behalte mich in Erinnerung. Es war ein Satz, der Vincent heute noch durch den Kopf ging. Niedergeschrieben von der einzigen Person, die ihm bedeutend mehr als nur Nerven gekostet hatte. Konnte man einer Toten aber einen Vorwurf machen? Die aufkommenden Zweifel diesbezüglich sagten genug aus. Man konnte es nicht, und im Prinzip war die Lage, in welcher er sich befand, einzig ihm selbst geschuldet. Sich dies vor Augen zu führen, stand gegenwärtig jedoch nicht an oberster Stelle. Die Zeit dafür würde sicherlich kommen – bloß nicht heute.
Heute zählte einzig der Umstand, dass die Dämonenfürsten auf der Erde herumwanderten. Sie hielten Städte besetzt, versklavten die Menschheit … Manche stellten sich mit besagten Sklaven sogar gut. Eine durchweg groteske Vorstellung. Irgendwie erheiterte es ihn jedoch. Immerhin zeigte es deutlich, welche Versager die Engel und Gott doch waren. Die hatten in all den Jahrtausenden nicht fertiggebracht, was die Dämonenfürsten nun ihr Eigen nannten: Eine Herrschaft, die so schnell nicht enden würde.
Wie sehr Gabriel wohl gerade auf seinem Stuhl rotierte, wenn er auf die Erde hinabblickte? Und was hielt Gott davon? Allzu viel konnte ihm an einer Herrschaft nicht mehr liegen, sonst hätte er seine Engel nach Jahrzehnten des Kampfes gegen die Dämonenfürsten nicht geschlossen in den Himmel zurückbeordert. … Alle? Okay, man musste schon bei der Wahrheit bleiben. Alle, bis auf die Engel des Todes. Die hatten für den Herrn ja nie gezählt.
»Was du wohl gerade machst Michael?«, murmelte Vincent zum Mond hoch. »Wahrscheinlich sitzt du auf irgendeiner beschissenen Wolke, siehst zu, wie wir anderen uns hier den Arsch aufreißen, und lachst dir dabei ins Fäustchen. Ist dir jedenfalls zuzutrauen.« Einen missmutigen Tonfall konnte er dabei nicht unterdrücken. Ihm war klar, dass der Hass noch lange nicht überwunden war und dass dieses Gefühl sogar irgendwann die Oberhand erlangen würde. Allein schon deshalb, weil Erzengel Michael als Erster dem Ruf des Himmels zurück in die Heimat gefolgt war. Er hatte die anderen Engel einfach rücksichtslos zurückgelassen. Schutzlos, führungslos … Und Vincent war mitten unter ihnen gewesen, als Baels Dämonen in Breslau eingefallen waren.
An das Gemetzel entsann er sich auch nach all den Jahren noch. Manchmal, wenn er die Augen schloss, hörte er die Schreie der Sterbenden und den Klang von Waffen, die aufeinandertrafen. Dass ihm überhaupt die Flucht gelungen war, glich einem Wunder. Ähnlich verhielt es sich mit seinem Überleben. Jemals wieder einen Atemzug zu tätigen, das hätte er nicht erwartet. Auch hätte er nicht für möglich gehalten, wer zu seinen Rettern zählte.
Vincent warf einen flüchtigen Blick in Richtung der lärmenden Stimmen, die aus dem Gebäude in seinem Rücken drangen. Mit der Gesellschaft wollte er sich gegenwärtig aber nicht abgeben. Vermutlich lag das daran, dass sein Ego diesbezüglich noch immer einen Knacks besaß. Konnte schon sein, dass die indianische Schönheit namens Naomi damals recht gehabt hatte. Er besaß ein Ego, welches einem Engel des Todes kaum zustand, und er lebte dies voll aus.
»Vincent!«
Der Ruf drang deutlich an seine Ohren, dennoch meldete er sich nicht. Er wollte allein hier auf dem umgeworfenen Baumstamm sitzen und die kalte Nachtluft auf sich wirken lassen. Bedauerlicherweise schien der Anführer der Truppe das anders zu sehen. Keine zwei Herzschläge vergingen, ehe erneut sein Name gerufen wurde.
»Vincent!«
Es klang deutlich ungeduldiger und bedeutend näher. Im nächsten Moment spürte er einen Schlag auf dem Rücken und nahm wahr, wie sich jemand neben ihn setzte. Der Wind erfasste dabei eine der braunen Haarsträhnen des Mannes. Die spielende Bewegung veranlasste Vincent dazu, in die hellen Augen zu blicken.
»Wir werden bald aufbrechen – getrennt. Ich habe noch etwas zu erledigen, bevor ich wieder auf euch treffe. Mach mir in der Zeit meiner Abwesenheit keine Schande. Euer Kommen ist angekündigt und wird so schon für genug Unruhe sorgen.«
Teilnahmslos blickte Vincent wieder nach vorn. Sollte ihm recht sein, wenn der Kerl nicht mit ihnen aufbrach. Abgesehen davon ahnte er, was der Mann noch zu erledigen hatte.
»Du wirst mir nie dankbar sein, oder?«
(Seite 21 – 25)
Decarabia
Aus der Ferne besah sich der Marquis unter den Dämonenfürsten das eigenartige Treiben. Warum die Menschen ihre Toten verbrannten, war ihm noch immer unklar. Schließlich war es ein aberwitziger Glaube, dass ihre Toten dann nicht in die Legionen der Großfürsten aufgenommen würden. Es waren gerade diese Seelen, welche sich hervordrängten. Für ihn stellte diese Beobachtung eine Qual dar. Immerhin war er als Mensch nur selten unterwegs. Doch als Seestern oder Pentagramm wäre er hier fehl am Platze gewesen.
Ein süffisantes Lächeln huschte über seine Lippen, als er den kahl geschorenen Mann reden hörte. Er schien der einzig Vernünftige unter all den Leuten zu sein – allerdings auch die größte Gefahr.
Der Marquis wendete sein Pferd und ritt gemächlich durch den Wald. Eigentlich hätte er nach dem Eingang zum Untergrundstützpunkt der Widerständler Ausschau halten sollen, aber diese Information würde Bael bedeutend mehr beeindrucken. Zumindest hoffte er es, denn der König war nur schwer zufriedenzustellen.
Der Mond wanderte mit Decarabia den Weg entlang, als er die Ausläufer der Stadt Breslau erreichte. Viel war von diesem Ort nicht geblieben. Nur ein paar Häuser und eine Kirche. Kaum der rechte Ort für einen der Könige der Hölle. Bael aber war bescheiden. Er verzichtete auf Prunk und Pomp.
Decarabia schwang sich vom Pferd und warf einem der Sklaven die Zügel zu. Er liebte es, Macht über andere zu haben. Gerade deswegen sah er seiner baldigen Abreise nach Paris mit einem gewissen Hochgefühl entgegen.
Mit großen Schritten betrat er Baels Haus. Ohne auf die untergebenen Menschen zu achten, betrat er den Raum, in welchem der König auf einem Stuhl weilte.
Bael besaß den Körper einer Spinne gepaart mit den Köpfen einer Kröte, eines Menschen und einer Katze. Die Krone saß auf dem mittleren Haupt. Seine Haltung zeigte Autorität und Würde. Keiner der Großfürsten käme auf den Gedanken, dies zu hinterfragen, und die Sklaven vergötterten ihn überraschenderweise.
»Decarabia«, ertönte es heiser. »Ihr seid bereits zurück? Habt Ihr den Eingang gefunden?«
Der Marquis verneigte sich elegant, ehe er erwiderte: »Nein, mein König. Ich wurde jedoch Zeuge einer Unterhaltung unter den Widerständlern.«
»Widerständler! … Ich habe Euch bereits gesagt, wie sehr mir dieses Wort missfällt. Widerständler kämpfen für etwas. Diese kleinen Maden haben längst aufgegeben. Was sollte an ihren Gesprächen wichtiger sein als an Eurer Aufgabe?«
Decarabia leckte sich über die Lippen, bevor er antwortete: »Einer von ihnen sprach davon, dass sie sich gegen uns behaupten müssten. Es scheint, als würden sie in den Krieg ziehen wollen.«
»Habt Ihr dafür auch Beweise? Oder ist es rein das, was Euch der Wind zugetragen hat, Decarabia?«
Unruhe stieg im Marquis hoch. Wenn Bael seinen Namen mehr als ein Mal aussprach, bedeutete das nichts Gutes. Da er dem König keine sinnvolle Antwort geben konnte, schwieg er.
Das veranlasste Bael dazu, von seinem Stuhl zu klettern. »Ich schließe aus dieser Stille, dass Ihr es nicht wisst. Kann es sein, dass sie Euch entdeckt haben und darum so sprachen?«
Decarabia senkte den Blick, als er murmelte: »Ich glaube nicht, mein König. Aber …«
»Ich will nichts hören!«
Selbst jetzt wurde Bael nicht wirklich laut. Seine heisere Stimme kratzte nur in den Ohren des Marquis. Es genügte jedoch, um ihn in die Knie zu zwingen und seine Gestalt als Pentagramm anzunehmen. Das sicherste Zeichen, dass er sich den Launen des Königs unterwarf.
»Ich sollte Euch vernichten«, zischte Bael zornig. »Ihr hattet eine einfache Aufgabe, und selbst dieser konntet Ihr nicht nachkommen. Was sollte mich dazu veranlassen, Euch lebend gehen zu lassen?«
»Bitte, mein König, ich habe doch nur angenommen …«
Bael unterbrach ihn mit einer abwehrenden Handbewegung und trippelte über den Steinboden hinweg auf ihn zu. Eine nachdenkliche Miene war auf seinem Menschenkopf auszumachen. »Ihr wisst nicht zufällig die Namen dieser Menschen?«
»Ich konnte nur einen vernehmen. Er nennt sich … Salomo«, flüsterte der Marquis.
Der Katzenkopf gab ein Fauchen von sich, während die Spinnenbeine weiter auf Decarabia zumarschierten. Angst ergriff von ihm Besitz.
»Salomo? Seid Ihr sicher?«, hakte Bael nach.
»Ja, mein König. Ich würde Euch niemals enttäuschen. Wenn Ihr mir gestattet, mich noch einmal auf den Weg zu machen, dann verspreche ich Euch, dass ich bereits bei Sonnenaufgang den Eingang des Menschenverstecks gefunden habe. Ich schwöre Euch, meine dreißig dämonischen Legionen warten nur darauf, von Euch in die Schlacht geführt zu werden. Und ich selbst bin bereit …«
»Schweigt endlich, Decarabia. Ihr brecht noch heute auf, aber nicht, um diesen Mann zu finden. Ihr reitet nach Wien. Berichtet dort von Großfürst Naberius und Präsident Glasya-Labolas, davon, wie sich die Menschen ihnen freiwillig angeschlossen haben. Es muss uns auch in anderen Städten gelingen. Je weniger sich auf der Seite dieser … Gegner befinden, umso besser ist es für uns.«
»Wie Ihr befehlt, mein König.«
Decarabia nahm seine Seesterngestalt an und wandte sich bereits zum Gehen, als Bael flüsterte: »Enttäuscht mich nicht, Marquis. Es wäre traurig, Eure Leiche alsbald aufzufinden. Übrigens werdet Ihr in Wien bleiben. Das Leben dort wird Euch gewiss genauso erfreuen wie jenes in Paris.«
Decarabia musste an sich halten, um keinen Wutanfall zu bekommen. Er kannte Wien, und er mochte die Stadt genauso wenig wie den dortigen Regenten, Graf Furfur. Die eigentümliche Engelsgestalt des Grafen war eine Beleidigung. Dass er nun für diesen den Handlanger spielen sollte, war unter seiner Würde. Decarabia blieb jedoch nichts weiter übrig. Deshalb verbeugte er sich untertänig vor seinem König, bevor er den Raum verließ. Zugleich sandte er eine stumme Verwünschung nach Wien aus, und er hoffte, dass der Graf ihn nicht wirklich bei sich behalten würde.
(Seite 26 - 32)
Bei Didi kam es selten vor, dass sie sich außerhalb ihrer Bar und abseits der Totenweihen mit den Menschen befasste. Dies hing zum einen damit zusammen, dass sie generell eine Einzelkämpferin war. Der zweite und für sie weit bedeutendere Grund war die einfache Tatsache, dass sie sich selbst mehr vertraute als ihrer Umgebung. Skeptisch besah sich Didi deshalb den kleinen Glasraum. Einst diente er als Kontrollzentrum für die Überwachung der U-Bahn, jetzt lebte Adam darin. Der Mann bezeichnete sich selbst als den Gelehrten unter ihnen. Und wenn Didi ehrlich war, musste sie ihm zustimmen. Schließlich wusste niemand so gut über die Geschichte der Welt Bescheid als er. Aber leider war Adam kein Kämpfer. »Darf ich erfahren, warum ich hier bin?«, fragte sie seufzend.
Adam, der an einem Tisch saß und las, wandte sich von der Buchseite ab, blickte sie an und murmelte: »Salomo muss endlich einsehen, wie wenig Erfolg er mit seinen Handlungen hat. Diese Erkundungsgänge müssen eingestellt werden. Sie gefährden das Leben unserer Leute.«
»Wenn man dich so reden hört, könnte man annehmen, du bist für die Großfürsten«, warf sie ihm vor.
»Ich bin für die Menschen, die unter seinem Wahnsinn leiden müssen. Warst du es nicht, die ihm gleich danach gesagt hat, dass es unverantwortlich war? Ich halte mit meiner Meinung eben nicht hinter dem Berg. Wozu auch? Wenn es nach Salomo ginge, befänden wir uns längst in einem blutigen Kampf.«
»Wer sagt dir, dass wir es nicht bereits sind, Adam?«, ertönte Salomos Stimme von der Tür her.
Didi konnte sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen, als Adam erschrocken zusammenfuhr. Der Gelehrte hatte Salomos Auftauchen nicht mitbekommen. Didi war jedoch davon überzeugt, dass er seine Worte keineswegs anders gewählt hätte.
»Wenn wir es wären, würden wohl mehr Eltern vor meiner Tür stehen, um sich zu beklagen!«, fuhr Adam den Mann an.
Es verblüffte Didi, wie emotional der Gelehrte sein konnte. War er doch sonst für seine ruhige und besonnene Art bekannt. »Ich denke, wir sollten darüber reden, warum wir hier sind, oder?«, kam sie einem aufkommenden Streit zuvor.
Salomo nickte abgehackt, ehe er sich auf einen freien Stuhl fallen ließ. Dabei legte er die Füße auf den Tisch, was von Adam mit einem hörbaren Schnauben quittiert wurde. Didi bemerkte unterdessen das Buch, welches Salomo bei sich behielt. Es musste äußerst wichtig für ihn sein, wenn er es nicht aus der Hand legte.
»Wir müssen über die Ausgaben sprechen«, begann Adam ohne Einleitung. »Die Lebensmittel werden knapper. Wenn wir genauso haushalten wie im letzten Jahr, kommen wir gerade über den Winter. Allerdings ist die Versorgung der Kranken und Alten kaum gewährleistet.«
»Dann schicken wir eben Boten zu den anderen im Untergrund. Wir haben oft genug einer der Gruppen ausgeholfen, also ist es nur gerecht, wenn sie uns jetzt genauso entgegenkommen«, sagte Salomo gelangweilt.
»Ich denke, du verstehst nicht. Uns wird keiner helfen. Nicht einmal wenn die Gruppen wollten. Allen fehlt es selbst am Nötigsten. Und da spreche ich noch nicht mal von Medikamenten. Ich rede hier von Getreide und Fleisch. Warum glaubst du, haben sich die Leute in Paris dazu entschlossen, ihre Kinder den Großfürsten zu überlassen?«
Salomo nahm mit einer wutverzerrten Miene die Füße vom Tisch, während er erwiderte: »Du wirst unsere Leute nicht mit diesen Feiglingen vergleichen! Wir sind besser dran. Wir können unsere Kinder ernähren, und bevor …«
»Bevor was, Salomo? Paris hat das einzig Richtige getan.«
Didi verfolgte mit zunehmender Besorgnis, wie Salomo die Hände zu Fäusten ballte. Nicht mehr lange und Adam würden einige Zähne fehlen. Doch sie konnte die Worte des Gelehrten kaum entkräften. Paris mochte feige gehandelt haben, aber es stimmte, deren Kinder würden den Winter überleben. »Salomo …«
Der Mann unterbrach sie mit einem einzigen Blick, wandte sich Adam zu und sagte: »Für solche Worte und diesen unterschwelligen Vorschlag sollte man dich in die Wildnis schicken. Vielleicht würden sich die Dämonen deiner sogar annehmen. Ich hingegen ziehe es vor, einen anderen Weg zu gehen als den der Arschkriecherei.«
»Und der wäre?« Adam zeigte sich wenig beeindruckt.
Salomo gab ihm keine Antwort, stattdessen warf er das fünf Finger dicke Buch auf den Tisch. Worum genau es sich dabei handelte, wusste Didi nicht. Adam hingegen schien es zu kennen, da seine blauen Augen abwechselnd zwischen dem Buchtitel und Salomo hin und her flogen.
»Was willst du damit sagen?«, fragte der Gelehrte leise.
»Du bist der Mann des Wissens, also sag du es mir.«
»Es beweist nichts.«
»Ach nein? Mein Name, meine Fähigkeit, die Menschen zu einen … Ich habe diese Untergrundbewegung aufgebaut. Ohne mich würde ein Großteil noch immer für die Dämonen Sklavenarbeit verrichten. Und soweit ich mich entsinne, zähltest du ebenfalls zu diesen, nicht wahr, Adam?«
Die Miene des Gelehrten verfinsterte sich aufs Neue. Didi hingegen konnte nur ahnen, worauf dieses Gespräch hinauslief. Und die Entwicklung veranlasste sie dazu, sich zum ersten Mal zu fragen, was so schlecht daran sein sollte.
»Wir haben das bereits diskutiert. Jeder weiß, wie wenig die Menschen von so etwas halten. Und es gibt keine Beweise. Ein Name sagt zu wenig über eine Abstammung aus. Außerdem …«
»Nicht wenn ein Gelehrter es bezeugt«, unterbrach Salomo den Mann.
Adam wandte sich so abrupt ab, dass seine schulterlangen Haare wie eine Peitsche durch die Luft knallten.
Da Didi nach wie vor nicht sicher war, ob sie die Zusammenhänge richtig verstand, fragte sie: »Was würde es für uns bedeuten?«
»Wir wären eine Einheit. Die Menschen hätten jemand, zu dem sie aufblicken könnten und …«
»… einen den sie verurteilen würden, sobald es nicht nach ihren Wünschen läuft«, kam der Gelehrte Salomo zuvor.
»Nur wenn man es dumm anstellt.«
»Es kann gar nicht klug sein! Sonst wäre dieses System nicht bereits vor vielen Jahren den Bach runtergegangen. Die Leute sind stets nur im ersten Augenblick glücklich. Nämlich solange sie jemand haben, der glaubt, alles zu wissen. Sobald die ersten falschen Entscheidungen getroffen sind, ist es damit vorbei.«
Didi war wenig überzeugt von Adams Ansichten. Es mochte stimmen, allerdings waren Salomos Entscheidungen bisher nicht besser oder schlechter gewesen als von jedem anderen. »Und wer sollte dieses Amt als Anführer übernehmen?«, wollte sie wissen.
Adams Augen hingen an dem Buch, während Salomo schwieg. Es war eine bedrückende Stille, welche auf Didi befremdlich wirkte.
»Sag es ihr, na los!«, forderte Adam.
Salomos dunkle Augen durchbohrten sie förmlich, als er entgegnete: »Ich natürlich! Wer sollte es deiner Ansicht nach sonst sein?«
»Du?«, fragte sie zweifelnd nach.
»Selbstverständlich! Aber ich wäre kein einfacher Anführer. Meine Stellung müsste die eines Königs sein. Ein König unter den Menschen. Wenn die Großfürsten Könige besitzen, warum nicht auch wir?«
»Bist du verrückt geworden?«
»Was soll diese dumme Frage? Ich bin der geborene König. Immerhin entstamme ich der Blutlinie Salomons. Somit steht es mir zu, König zu sein.«
»Es steht dir zu? Du bist ein verdammter Idiot. Du hast Kimi auf dem Gewissen, und jetzt willst du König spielen?«, fuhr Didi ihn erbost an.
»Ich will es nicht spielen, ich bin es. Und wenn dir das nicht passt, dann …«
»Du bist doch nicht mal in der Lage, mit Adam und mir ein Gespräch zu führen. Wie kannst du glauben, es mit einem Großfürsten zu können?« Sie wollte es nicht glauben. Salomo war nicht nur wahnsinnig, er war auch noch naiv. Allein seine impulsive Art würde jede Verhandlung zum Scheitern verurteilen. Aber davon müsste ihn erst einmal einer überzeugen. Und Didi ahnte bereits, dass er auf sie nicht hören würde. Vielleicht konnte sein Freund Alex etwas ausrichten. Doch selbst das war ungewiss.
»Wer sagt, dass ich so was vorhabe?«
»Du dämlicher Idiot führst uns noch in den Tod! Jeder gute König muss verhandeln können. Glaubst du etwa, Bael hätte sich sonst so lange unter den Großfürsten bewährt? Er ist der treueste Handlanger Luzifers. Er verfügt über genügend Entscheidungsgewalt. Aber deshalb droht er einem nicht ständig!«, warf Adam ihm vor.
Salomos Faust traf dermaßen schnell Adams Gesicht, dass diesem nicht mal Zeit blieb zu reagieren. Vielmehr war er im nächsten Moment damit beschäftigt, sich die Hand auf den Mund zu pressen. Dabei entging Didi keineswegs, wie der Gelehrte sie Hilfe suchend anblickte. Aber sie war keinesfalls bereit, ihn zu unterstützen. Nicht weil er unrecht hatte, sondern weil es nur wenige Menschen gab, die Salomo einen Idioten nennen durften. Und Adam zählte eben nicht dazu.
Salomo atmete hörbar ein und aus, bevor er murmelte: »Du magst recht haben, Adam. Aber wenn du so überzeugt bist, ist es am besten, du packst deine Sachen und verschwindest zu Bael, wo er dir doch so sympathisch zu sein scheint.«
Didi trat einen Schritt auf ihn zu und sagte: »Salomo, ich bin mir sicher, er hat es nicht so gemeint. Aber Tatsache ist, du bist ein impulsiver Mensch. Was, wenn die Leute genauso auf deine Selbsternennung reagieren? Sie werden Beweise verlangen. Das ist unumgänglich. Zuerst muss diese Linie wirklich, und damit meine ich wirklich zu einhundert Prozent, bestätigt sein. Sonst kannst du dich gleich selbst in der Wildnis aussetzen.«
»Außerdem ändert es nichts an der derzeitigen Lage«, nuschelte Adam.
Didi sah den Gelehrten von der Seite an. Blut floss zwischen seinen Fingern hervor. Es lief auch über sein Kinn hinweg und beschmutzte das ohnehin fleckige Hemd. Wahrscheinlich hatte Adam der Schlag mehr als nur eine aufgeplatzte Lippe beschert. Vielleicht hatte er sogar einige Zähne eingebüßt. Er besaß jedoch so viel Gelassenheit, diese nicht vor Salomo auf den Boden zu spucken.
»Es mag unsere Lage jetzt nicht verändern. Aber wenn wir erst mal erklärt haben, dass ich der alleinige Herrscher über alle Menschen bin, dann …«
»Du meinst über unsere Gruppe«, korrigierte Didi ihn.
Als hätte sie ihn gerade geschlagen, sah Salomo sie fassungslos an. »Wozu sollte ich nur über unsere Gruppe walten wollen?«, brüskierte er sich. »Ich rede hier von der gesamten Menschheit. Uns, den Sklaven und auch allen anderen.«
»Größenwahnsinn«, hörte sie Adam wispern.
Salomo konnte nicht so schnell reagieren, wie Didi seine erneut zur Faust geballte Hand packte. Gleichzeitig schüttelte sie entschieden den Kopf. »Du solltest gehen«, sagte sie an Salomo gewandt.
»Warum? Ich habe ihm damals sein wertloses Leben gerettet. Jetzt verlange ich einen Gefallen, und er ist nicht bereit, ihn mir zu erweisen!«
»Geh jetzt!«, wiederholte sie ihre Forderung.
Salomo stand auf, riss sich aus ihrem festen Griff los und beugte sich zu Adam herab. »Du bist ein Feigling und ein Narr. Heute hattest du Glück, aber beim nächsten Mal ist vermutlich keiner zur Stelle, der dir dein wertloses Leben rettet.«
…
© Monika Grasl und Verlag der Schatten
»Die Chronik der Dämonenfürsten – Teil 2: Die Herrschaft der Dämonenfürsten«
von Monika Grasl
ISBN (Taschenbuch): 978-3-946381-29-7
308 Seiten, Preis: 16,00 €
ISBN (epub): 978-3-946381-31-0
Preis: 4,99 €
»Die Chronik der Dämonenfürsten – Teil 2: Die Herrschaft der Dämonenfürsten«
von Monika Grasl
ISBN (Taschenbuch): 978-3-946381-29-7
308 Seiten, Preis: 16,00 €
ISBN (epub): 978-3-946381-31-0
Preis: 4,99 €
Angaben zur Produktsicherheit:
Hersteller:
Shadodex - Verlag der Schatten, Bettina Ickelsheimer-Förster
Ruhefeld 16/1, D-74594 Kreßberg-Mariäkappel
E-Mail: info@verlag-der-schatten.de
Hersteller:
Shadodex - Verlag der Schatten, Bettina Ickelsheimer-Förster
Ruhefeld 16/1, D-74594 Kreßberg-Mariäkappel
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