"Verborgen - das Geheimnis eines Volkes" von Kristin Kox
»... vielleicht liegt in diesen Wäldern etwas verborgen, etwas, das nicht gefunden werden will. Etwas, das schon sehr lange hier ist und das diesem Ort ... ein gewisses Potenzial verleiht ...«
Doch was will nicht gefunden werden?
Welches Geheimnis verbirgt sich in den Wäldern rund um Rothenburg ob der Tauber?
Die Schriftstellerin Lisa Stark kämpft noch immer mit dem Verlust ihrer Familie, als ihr Studienfreund Chris wieder in ihr Leben tritt und ihre Gefühle durcheinanderwirbelt. Doch warum taucht plötzlich ihr verstobener Mann in ihren Träumen auf und warnt sie vor einer großen Gefahr? Wer oder was hat es auf ihr Leben abgesehen?
Leider bleibt Lisa nur wenig Zeit, um das Geheimnis des Waldes, von dem ihr Mann sprach, zu lüften und die Puzzleteile zusammenzusetzen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
Doch was will nicht gefunden werden?
Welches Geheimnis verbirgt sich in den Wäldern rund um Rothenburg ob der Tauber?
Die Schriftstellerin Lisa Stark kämpft noch immer mit dem Verlust ihrer Familie, als ihr Studienfreund Chris wieder in ihr Leben tritt und ihre Gefühle durcheinanderwirbelt. Doch warum taucht plötzlich ihr verstobener Mann in ihren Träumen auf und warnt sie vor einer großen Gefahr? Wer oder was hat es auf ihr Leben abgesehen?
Leider bleibt Lisa nur wenig Zeit, um das Geheimnis des Waldes, von dem ihr Mann sprach, zu lüften und die Puzzleteile zusammenzusetzen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
Leseprobe
»Verborgen – Das Vermächtnis eines Volkes «
von Kristin Kox
(Seite 145 – 150)
19
»Verborgen – Das Vermächtnis eines Volkes «
von Kristin Kox
(Seite 145 – 150)
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Abseits der Stadt in dem Teil des Waldes, den einige der älteren Einwohner immer noch den Hexenwald nannten, war Lisa inzwischen am Ende des Forstweges angekommen. An der Stelle, an der der breite, dicht mit Fichtennadeln bedeckte Weg endete, stand – absurderweise, wie Lisa fand – eine rot-weiß gestreifte, etwa drei Meter breite Schranke, die rechts und links auf ebenfalls gestreiften hölzernen Stützen lag.
Lisa betrachtete die Schranke. Irgendetwas stimmte damit nicht. Sie wirkte hier fehl am Platz, doch nicht nur, weil der Weg an dieser Stelle endete, da war noch etwas anderes. Lisa kniff die Augen zusammen, streckte eine Hand aus und berührte das Holz. Sie kam nicht darauf, was sie an dieser Schranke so sehr störte. Es war schwer, das in Worte zu fassen. Sie wirkte nicht ganz real, nicht ganz da, obwohl sie sie berühren und die Beschaffenheit der abblätternden Farbe auf dem hölzernen Grund spüren konnte. Sie war da, doch irgendwie war sie nicht richtig. Die Farbe war etwas zu grell, zu künstlich. Sie machte auf Lisa den Eindruck, als würde sie überhaupt nicht in diese Welt gehören, sondern viel eher in ein Bilderbuch. Nein, dachte sie, nicht in ein Bilderbuch, sondern … Überrascht schnappte Lisa nach Luft. Sie zog ihre Hand zurück, als hätte sie gerade etwas Heißes berührt.
Sie hatte diese Schranke schon einmal gesehen.
Aber das kann unmöglich sein, fuhr es ihr durch den Kopf.
Doch die Schranke war unbestreitbar da, sie konnte sie sehen und sie konnte sie berühren. Es war keine Einbildung, auch wenn ihr Verstand darauf beharrte, dass sie unmöglich hier sein konnte. Sie konnte nicht hier sein, weil sie in ein Buch gehörte, nicht in ein Bilderbuch, sondern in ein Malbuch, das Paul besaß. Besessen hatte, verbesserte sie sich.
Er hatte es zu Ostern bekommen, nur ein paar Monate vor dem Unfall. Ihre Mutter hatte es ihm zusammen mit einer Packung Buntstiften geschenkt. Paul hatte sich darauf gestürzt und mit wachsendem Eifer und einer Ausdauer, die ihr schon beinahe unheimlich war, Seite um Seite mit seinen neuen Buntstiften ausgemalt.
Das Malbuch trug den Titel »Auf der Baustelle« und umfasste zwanzig Zeichnungen von Baufahrzeugen und verschiedenen Baustellen. Auf einem der Bilder wurde eine Straße neu asphaltiert. Aus diesem Bild stammte die Schranke, auch wenn das unmöglich sein konnte.
Genau wie auf dem Bild hing auch von dieser Schranke ein kleines, verwittertes Schildchen herab, doch nicht in der Mitte, sondern etwas nach links verschoben.
Was steht da, Mami?, hatte Paul gefragt.
»Man kann es nicht lesen, die Schrift ist zu klein«, flüsterte Lisa und trat einen Schritt zurück, um einen besseren Blick auf das Schild zu bekommen. Die Zeichen waren viel zu winzig und zu verschwommen, als dass man sie von dieser Position aus hätte lesen können.
Was denkst du, was könnte dort stehen?, hatte sie Paul gefragt, und als sie einige Schritte nach links ging, um das Schild zu entziffern, hallten in ihrer Erinnerung Pauls Worte: Dass man nicht weitergehen darf.
»Ganz genau, wahrscheinlich steht da so etwas wie: Dieser Weg endet hier.« Lisa flüsterte die Worte. Ihre Lippen zitterten.
Schreib es drauf, Mami, bitte, hatte er gesagt, und Lisa hatte ihm den Wunsch erfüllt.
Jetzt stand sie vor dem Schild und ging in die Knie. Schwindel erfasste sie, als sie die Schrift sah, und sie musste sich mit einer Hand abstützen, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Auf dem Schild stand in Lisas Handschrift:
»DIESER WEG ENDET HIER«.
Wie in Trance starrte sie die Buchstaben an. Es war ihre Schrift, kein Zweifel.
Langsam erhob sie sich wieder.
Da war noch etwas, erinnerte sich Lisa. Paul hatte sich an einer Stelle mit den Farben vertan. Er hatte jedes zweite Feld rot ausgemalt, denn die Absperrung sollte gestreift sein, doch kurz vor dem Ende, am rechten Rand, hatte er vergessen ein Kästchen auszulassen, sodass der letzte rote Streifen doppelt so breit war wie die übrigen.
Bingo, dachte sie. Der letzte rote Balken am Ende der Stange war doppelt so breit wie die anderen.
Nur ein Mal in ihrem Leben hatte sie sich auf eine Art und Weise schwindelig gefühlt wie beim Anblick dieser Stange. Das war im Kunstunterricht in der Schule gewesen, als sie eine optische Täuschung betrachtet hatte, die Abbildung eines Gebäudes, an dessen Seiten eine Treppe immerzu hinaufführte und doch in sich geschlossen war. Ihr Verstand war überfordert damit gewesen, zu begreifen, was sie da sah, denn es konnte unmöglich real sein.
Charlys Gebell befreite Lisa aus ihrer Erstarrung. Der Retriever kam aus dem Wald getrottet. Er tapste auf die Schranke zu und schnüffelte neugierig an einer der Stützen. Dann hob er sein Bein und hinterließ seine Duftmarke, als wäre alles in Ordnung. Lisa blinzelte verwirrt. Das war es. Irgendwie machte es das real, zu einem Teil ihrer Welt.
Der Schwindelanfall ging vorbei.
Okay, dachte Lisa, damit komme ich zurecht. Damit kann ich leben. Ich weiß zwar nicht genau, wie das möglich ist, aber ich kann es akzeptieren. Ein Bild, das Paul gemalt hat, ist real geworden und steht hier im Wald. Mein Hund hat draufgepinkelt, also ist es definitiv keine Einbildung. Hunde pinkeln nicht auf Einbildungen. Aber was zur Hölle bedeutet das jetzt?
Sie wandte den Blick von der Schranke ab und betrachtete das Waldstück, das vor ihr lag. Auf den ersten Blick wirkte es wie jedes beliebige andere Teilstück auch. Sie sah Charly nach, der unter der Schranke hindurchgelaufen und bereits ein Stück in den Wald hineingetapst war, die Schnauze fest auf den Boden gepresst, als versuchte er, eine Fährte wiederzufinden. Mal lief er ein Stück in diese Richtung, dann drehte er sich und versuchte es in einer anderen. Doch dann geschah etwas Merkwürdiges. Charly drehte erneut um und lief an Lisa vorbei nach links. Etwa einen Meter neben der Stelle, an der sie stand, ging er ohne ersichtlichen Grund plötzlich ein paar Schritte seitwärts in die Richtung, in die der Waldweg weiterführen würde, wäre er nicht zu Ende.
Lisa runzelte die Stirn. So hatte sie Charly noch nie laufen sehen. Es sah so aus, als ob er gegen seinen Willen seitwärts getrieben worden wäre. Wie Enten, die einen Fluss durchqueren wollen und dabei durch die Strömung abdriften.
Sie ging zu der Stelle, an der Charly diese merkwürdige Bewegung gemacht hatte. Es war vollkommen windstill, nicht der leichteste Lufthauch war zu spüren, und im Wald konnte Lisa nichts Ungewöhnliches entdecken. Wie überall in dem Waldstück wuchsen hier hauptsächlich Fichten und Buchen. Der Boden war dicht mit Gräsern und Farnen bedeckt, überall lagen kleine Zweige, Fichtennadeln und …
Lisa stutzte. Etwas schien doch anders zu sein. Sie ging langsam weiter, die Augen starr auf den Wald gerichtet, dann ging sie wieder zurück zu ihrem Ausgangspunkt. Dasselbe wiederholte sie in der anderen Richtung. Ihre Augen weiteten sich, als sie das Muster erkannte. Sie musste blind gewesen sein. Hier war es, direkt vor ihren Augen! Wenn man es erst einmal gesehen hatte, war die Veränderung eindeutig.
Direkt vor ihr zog sich eine dunkelgrüne, etwa einen Meter breite Linie schnurgerade durch den Wald. Doch es handelte sich nicht um einen Weg, es war kein Schleichpfad, der durch niedergetrampeltes Gras sichtbar wurde, nein, diese Linie schien sich vielmehr auf natürliche Art und Weise selbst gebildet zu haben. Lisa konnte genau erkennen, wie die dunkle Schattierung zustande kam. Auf der Breite von einem Meter neigten sich alle Grashalme in dieselbe Richtung, ebenso die Blätter der Farne und Kräuter, als hätte ein Riese mit einem überdimensionierten Kamm alle Pflanzen in dieselbe Richtung gekämmt. Auch die herabgefallenen Äste lagen alle in derselben Ausrichtung auf dem Waldboden, von Osten nach Westen. Es schien, als ob sie alle durch die Kraft eines unsichtbaren Magnetfelds in diese Lage gezwungen worden waren – obgleich Magnetfelder normalerweise keinerlei Wirkung auf Holz hatten. Oder Grashalme. Oder andere Pflanzen. Und doch schien eindeutig irgendeine Kraft entlang dieser Linie zu wirken, eine Kraft, die auch organisches Material beeinflusste.
Lisa warf einen Blick in den wolkenlosen Himmel. Sie fragte sich, ob diese Kraft auch auf Wolken wirkte. Doch dann bekam sie etwas ganz anderes zu sehen. Ein Mäusebussard, der am Himmel kreiste, geriet in den Einzugsbereich der Linie und wurde plötzlich ohne ersichtlichen Grund ein Stück nach Westen abgetrieben, genauso wie Charly kurz zuvor.
Eine innere Unruhe ergriff Lisa. Ich muss der Spur folgen, dachte sie.
Tu das nicht! Das ist gefährlich!, rief eine schrille Stimme in ihrem Inneren.
Ich weiß, dachte Lisa, doch das hier ist zu wichtig. Diese Kraft musste von irgendwoher gespeist werden, und Lisa war entschlossen, diesen Ort zu finden. Anton hätte es genauso gemacht.
Sie ging um die Schranke herum und betrat den Wald.
...
© Kristin Kox und Verlag der Schatten
»Verborgen – Das Vermächtnis eines Volkes«
von Kristin Kox
ISBN (Taschenbuch): 978-3-98528-010-0
284 Seiten, Preis: 14,00 €
ISBN (epub): 978-3-98528-011-7
Preis: 4,99 €
»Verborgen – Das Vermächtnis eines Volkes«
von Kristin Kox
ISBN (Taschenbuch): 978-3-98528-010-0
284 Seiten, Preis: 14,00 €
ISBN (epub): 978-3-98528-011-7
Preis: 4,99 €
Angaben zur Produktsicherheit:
Hersteller:
Shadodex - Verlag der Schatten, Bettina Ickelsheimer-Förster
Ruhefeld 16/1, D-74594 Kreßberg-Mariäkappel
E-Mail: info@verlag-der-schatten.de
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