Hardcover Edition Moonflower Band 7
Limitierte Edition
… Denn einst wird sie wieder hervorbrechen aus den hohlen Kegeln unter den Gipfeln von Osser und Arber. Und sie wird nicht mehrallein sein.
Als im Bayerischen Wald leichte Erschütterungen die Gegend für Wanderer unsicher machen, ahnt noch niemand, wer oder was dafür verantwortlich ist. Doch gerade diese Tatsache reizt Rebecca Goldman. Sie verbringt kurzerhand ihren Urlaub in der Gegend, um den seltsamen seismischen Unregelmäßigkeiten auf den Grund zu gehen. Dabei stößt sie auf verstockte Einheimische, die mehr wissen, als sie preisgeben, und ein altes Buch, das vergessenen Mythen plötzlich einen neuen Sinn verleiht.
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Hersteller:
Shadodex - Verlag der Schatten, Bettina Ickelsheimer-Förster
Ruhefeld 16/1, D-74594 Kreßberg-Mariäkappel
E-Mail: info@verlag-der-schatten.de
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Leseprobe
Band 7
»Feuer – Steine - Ungeheuer «
von Eve Grass
(Seite 17 - 25)
…Band 7
»Feuer – Steine - Ungeheuer «
von Eve Grass
(Seite 17 - 25)
Mein Blick fiel auf den Osser, dessen kahler, kegelförmiger Kopf aus den sattgrünen Steilhängen hervorragte. Ich hatte mich daheim in München schon über den beeindruckenden Gipfel informiert. Im Gegensatz zu den übrigen Tausendern besteht das Osser-Massiv aus Glimmerschiefer und Quarziten. Bei der Bildung dieser Gesteine herrschten andere Bedingungen als bei den sonst weit verbreiteten Graniten und Gneisen. Welch hohe Temperaturen und was für ein unvorstellbarer Druck mussten geherrscht haben, um den Fels zu erschaffen? Und jetzt? Gab es dort Höhlen unter den Gipfeln?
Feuer – Steine – Ungeheuer!
Energisch schüttelte ich den Kopf. An so einen Blödsinn hatte ich nicht einmal in meiner Kindheit geglaubt. Trotzdem begleiteten mich diese komischen Gedanken, die ich nicht einordnen konnte, die ganze Nacht über.
5
Sie war nicht allein. Das Männchen hauste in einem einsamen Stollensystem weiter im Norden. Nur selten näherte er sich ihr, denn auch seine Bewegungen versetzten die sechshundertmillionen Jahre alten Gesteinsschichten in Schwingungen und könnten damit die kleinen, zweibeinigen Wesen alarmieren. Noch ein Jahrhundert bliebe Zeit. Wenn dann nicht wenigstens eines der Eier aufspränge und neues Leben hervorbrächte, wäre die Art ausgestorben. Denn auch sie würde irgendwann sterben. Aber vielleicht beabsichtigte die Natur genau das? Die Lebensbedingungen gestalteten sich schon jetzt fatal. Höhlen waren ihr Zuhause, anders als noch vor tausend Jahren, als ihre Vorfahren unter blauem Himmel auf die Jagd gingen.
6
Ich träumte schlecht. Feuerspeiende Monster setzten Dächer in Brand und brachten Tod und Verwüstung. Ein mutiger Ritter wollte die Bewohner von Furth im Wald vor dem Untergang bewahren. Er zog aus, das Böse zu besiegen. Aber … warum wurde die Stadt angegriffen?Feuer – Steine – Ungeheuer?
Schweißgebadet erwachte ich. Da waren sie wieder, diese seltsamen Gedanken, die ich schon gestern bemerkt hatte, während ich den Ossergipfel betrachtete.
Müde setzte ich mich auf. Dann fiel mein Blick auf den kleinen Reisewecker, den ich aufs Nachtkästchen gestellt hatte. Schon halb neun? Eigentlich wollte ich um sieben loswandern, bevor die Massen aufbrachen, um die seltsamen Risse zu beobachten.
Von unten drangen Stimmen zu mir ins Zimmer hoch. Die Wände der Pension schienen extrem hellhörig zu sein. Hektische Laute – Fetzen davon konnte ich verstehen.
»Anordnung vom Landratsamt, gerade eben per Mail gekommen, ich kann es leider nicht ändern.«
»Wir haben es den Kindern versprochen. Sie wollen auf den Gipfel klettern.«
»Seien Sie vernünftig. In Lam gibt es ein schönes Schwimmbad.«
Hatte es einen erneuten Vorfall gegeben?
Ich stand auf. Mein erster Weg führte mich zum Fernseher. Das Morgenmagazin müsste jetzt laufen, vielleicht gab es Neuigkeiten zum Thema: »Seltsame Phänomene im Bayerischen Wald.«
Der Bildschirm wurde hell. Zwei Moderatoren, die auf einer Couch saßen, unterhielten sich. Im Hintergrund, auf einem riesigen Monitor, waren Luftbilder zu erkennen. Die Gegend kam mir auf der Stelle bekannt vor. Ich hätte nur aus dem Fenster schauen müssen, um dasselbe Bild zu sehen.
»Noch immer rätseln die Wissenschaftler, was die Risse im Gestein des Mittelgebirgszuges nahe der tschechischen Grenze verursacht. Erste Messungen mit Sonden lassen vermuten, dass hier in der Gegend Bergbau betrieben wurde, und zwar weit vor dem allgemein bekannten Eisenerzabbau um das Jahr sechzehnhundert. Könnten Aushöhlungen unter den Gipfeln zu der mysteriösen Instabilität führen? Noch liegen uns keinerlei Beweise für derartige Theorien vor. Die Gegend ist touristisch erschlossen und wird exzessiv genutzt«, sprach die Moderatorin in die Kamera und setzte mit dem Blick auf ihren Kollegen fort: »Du hast heute früh mit der Landrätin von Regen gesprochen, Karl. Was genau hat dazu geführt, dass nun ein Großteil der Wanderwege, die über den Höhengrat vom Osser bis zum großen Arber führen, gesperrt wurde?«
Karl, der schlanke junge Mann, der auch an heißen Tagen stets ein farbenfrohes Sakko trug, schaute direkt in die Kamera. »Ja, liebe Britt, das kann ich unseren Zuschauern verraten. Noch in der Nacht ist eine Wandergruppe von Lohberg gestartet, um den Sonnenaufgang auf dem Gipfel des kleinen Arbers zu genießen. Es handelt sich um vier Personen, eine davon ein fünfzehnjähriges Mädchen. Wegen der Brisanz der Wanderung wollten sie sich nach Erreichen des Gipfels beim Hotelier melden. Die Gruppe ist seither spurlos verschwunden. Eine Handyortung hat keinerlei Hinweise auf den Verbleib der Wanderer gegeben. Mehrere Hubschrauber der Bundeswehr und der Bundespolizei kreisen über dem dichten Waldgebiet. Außer einem erneuten Riss, der in der Nähe des kleinen Arbersees gesichtet wurde, hat man nichts entdeckt. Aus diesem Grund hat Regine Rot, die Landrätin aus Regen, mit sofortiger Wirkung die Hauptwanderrouten im Gebiet sperren lassen. Wir rechnen in den nächsten Stunden damit, dass auch der Landkreis Cham die Anweisung herausgeben wird. Von der Sperrung der Wege dürften Tausende von Touristen betroffen sein, die im Bayerischen Wald derzeit ihren Sommerurlaub verbringen.«
Kopfschüttelnd verfolgte ich die Nachrichten. Weitere Theorien wurden diskutiert. Ein Geowissenschaftler aus Spanien erschien auf dem Monitor. Er berichtete von der sogenannten exogenen Dynamik, also dem Einfluss des Wetters und letztendlich des Menschen, der Gesteinsschichten verändern konnte, auch wenn sie Millionen von Jahren existierten. Eventuell verlassene Stollen aus dem frühen Mittelalter, zusammen mit Trockenheit, Hitze und Erosion, könnten auch Mittelgebirge instabil werden lassen.
Nach einer Viertelstunde befiel mich das Gefühl, dass hinter den seltsamen Rissen, den angeblich neuartigen Insekten und den verschwundenen Wanderern etwas Mächtiges, Unfassbares lauerte. Als Realistin kannte ich derartige Vermutungen nicht, aber nach einer Weile bildete sich Gänsehaut auf meinen Armen. Denn jetzt wurde ein Greis eingeblendet, der von einer jungen Reporterin in seinem Haus interviewt wurde. Der Mann war schätzungsweise hundert Jahre alt. Er trug einen schlohweißen, langen Bart und blickte mit wässrig blauen Augen in die Kamera. Den Redeschwall seines Gegenübers ignorierend näherte er sein Gesicht dem Objektiv und legte einfach los. Der Dialekt des Alten klang für mich wie »Mandarin«, dennoch schnappte ich einige Brocken auf.
Augenblicklich wurde mir eiskalt. Der Traum der letzten Nacht fiel mir wieder ein.
Die Kamera schwenkte zurück zur Reporterin. »Adrian Felderknecht bezeichnet sich selbst als Urgestein der Gegend hier. Er lebt seit seiner Geburt nahe der Arberhütte, etwa fünf Kilometer
entfernt vom Grenzort Bayerisch Eisenstein. Ihn wundern die seltsamen Risse, die sich seit Wochen im felsigen Untergrund bilden, keineswegs. Vielleicht hat der eine oder andere von Ihnen seine klangvolle Sprache nicht verstanden, deswegen möchte ich Ihnen Herrn Felderknechts Bericht übersetzen: Damals, als man dem Fels gierig die glänzenden Steine entriss, entstanden die Höhlen über den Wurzeln der Berge. Dorthin hat SIE sich zurückgezogen und ihren Raum stetig vergrößert. Doch inzwischen rührt SIE sich im Untergrund. Ein schlechtes Zeichen. Wir sollten SIE besser in Ruhe lassen, aber es kommen ja immer mehr und poltern auf IHREM Kopf herum. Leute, bleibt weg von hier.« Die Reporterin grinste. »Sie sehen, verehrte Zuschauer, die Theorien rund um die seltsamen Phänomene sind vielfältig. Natürlich halten wir uns hier im Sender an wissenschaftliche Fakten. In einem Punkt müssen wir Herrn Felderknecht allerdings zustimmen: Es kommen immer mehr Touristen. Bitte meiden Sie das Gebiet. Falls Sie eine Pauschalreise gebucht haben, kontaktieren Sie Ihren Veranstalter. Er wird Ihnen alternative Ferienangebote unterbreiten. Wir bedanken uns ganz herzlich bei Adrian Felderknecht für seinen Beitrag.«
Das Bild des ernst dreinblickenden Weißhaarigen verschwand vom Monitor. Ein neues Thema beschäftigte die zwei Moderatoren auf der Couch.
»Wladimir Putin verkündete im staatlichen Fernsehen …«
Ich schaltete das TV-Gerät ab und starrte noch minutenlang auf die dunkle Mattscheibe.
Feuer – Steine – Ungeheuer, zog durch mein sonst reell geprägtes Gehirn.
Ein Höhlensystem unter den Gipfeln, die ich bewandern wollte? Konnte das sein? Darüber war nichts bekannt. Seit Jahrhunderten waren die Tausender im Bayerwald gut erforscht. Unbekannte Stollen, in denen Ungeheuer hausten? Das war schlichtweg nicht möglich. Und doch ging mir das Bild des Alten aus der Fernsehsendung nicht mehr aus dem Kopf. Vielleicht sollte verhindert werden, dass jemand sie entdeckte. Und die »Wurzeln« der Berge? Was war damit gemeint?
Die Gänsehaut auf meinen Armen ließ mich regelrecht zittern. Denn plötzlich war ich mir sicher, dass der alte Mann im Fernsehen die Wahrheit sagte.
7
Erst um zehn Uhr erschien ich im Frühstücksraum der Pension »Osserstern«. Ich war die Einzige im Zimmer. Ein Gedeck stand noch auf dem Tischchen direkt am Fenster. Wurst, Käse, Marmelade, Butter und Brot waren schon abgeräumt. Aber die Rezeptionistin, die heute eine grün karierte Bluse trug, bemerkte mich schnell.»Guten Morgen Frau Goldman, ich bringe Ihnen gleich Ihr Frühstück. Was wollen Sie denn gern trinken? Kaffee oder Tee? Soll ich Ihnen ein Ei kochen?«
Ich lächelte die Frau an, die sich bemühte, ihren starken Akzent etwas zu mildern, und sagte: »Machen Sie sich nicht zu viel Mühe. Ein großer Becher Kaffee, eine Scheibe Brot mit dem leckeren Leberkäse, den es hier gibt, ist genug.«
Sie nickte übereifrig und drehte sofort um, um mich mit Essbarem zu versorgen, aber mir brannten zu viele Fragen auf den Lippen. Deswegen rief ich ihr nach: »Sagen Sie, ich habe in den Nachrichten gehört, dass nun die Hauptwanderrouten in zwei Landkreisen gesperrt wurden. Wissen Sie mehr drüber?«
Uschi Weber schien auf die Frage gewartet zu haben. Zackig kam sie zurück zu meinem Tisch, zuckte entschuldigend mit den Achseln und erklärte mir die Sachlage ausführlich. »Ja, das stimmt. Die Landkreise Cham und Regen sind von den Rissen im Gestein betroffen. Nachdem die Wandergruppe spurlos verschwunden ist, musste man von Amts wegen reagieren. Das ist wirklich eine furchtbare Sache. Wir sind angehalten, unsere Gäste darüber aufzuklären. Ich kann Ihnen gern ein paar Alternativen zu Ihren geplanten Wanderungen nennen. Auch ohne lange Fußmärsche wird es Ihnen bestimmt nicht langweilig werden in Lohberg. Sie wollen doch trotzdem hierbleiben?«
Ich nickte. Das Letzte, was ich derzeit wollte, wäre abzureisen. Jetzt wurde es erst richtig interessant.
Feuer – Steine – Ungeheuer.
…
© Eve Grass und Shadodex – Verlag der Schatten/Edition Moonflower
(www.verlag-der-schatten.de)
»Feuer – Steine – Ungeheuer«
von Eve Grass
Taschenbuch
ISBN: 978-3-98528-312-5
100 Seiten
Preis: 6,00 €
E-Book
ISBN: 978-3-98528-313-2 (epub)
Preis: 2,99 €
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