"Rabenruf" von Patricia Rieger
So hat sich David das geplante Abenteuer nun wirklich nicht vorgestellt. Er wollte doch nur heimlich zum Rachelsee wandern, da man dort in den Sonnwendnächten angeblich mit den Toten reden kann. Und er möchte so gern mit dem Geist seiner verstorbenen Mutter sprechen. Dumm nur, dass seine lästige Cousine Steffi den Plan durchschaut hat und nun natürlich mitkommen will. Also machen sich die beiden gemeinsam auf den Weg. Dabei treffen sie auf den rätselhaften Raben Blauschwinge, der David schon seit einer Weile verfolgt. Was will der Vogel von ihm? Und warum drängt er David dazu, in das Reich der Schwarzen Rachel einzutreten, obwohl es noch nie jemand geschafft hat, von dort zurückzukehren?
Ein phantastisches Abenteuer für Kids ab 11 Jahren.
Taschenbuch
ISBN: 978-3-98528-040-7
244 Seiten mit zahlreichen Bildern (sw)
Preis: 15,00 €
E-Book (nicht hier im Shop erhältlich)
ISBN: 978-3-98528-041-4 (epub)
Preis: 4,99 €
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Leseprobe
»Rabenruf –David und das Geheimnis des Rachelsees«
von Patricia Rieger
(Seite 64 – 70)
»Rabenruf –David und das Geheimnis des Rachelsees«
von Patricia Rieger
(Seite 64 – 70)
…
»Stell dich dicht ans Ufer. Am besten ist es, wenn deine Füße schon Kontakt mit dem Wasser haben. Und dann musst du laut rufen: Rachel, Rachel, komm und zeige dich, ich möchte dich ergründen. Mehr weiß ich auch nicht.«
Also ging David so weit in den See, dass die Sohlen seiner Wanderschuhe vom schwarzen Seewasser umspült wurden. Dann holte er tief Luft und hoffte, dass sich seine Stimme nicht so verängstigt anhörte, wie er sich fühlte. »Rachel, Rachel, komm und zeige dich, ich möchte dich ergründen.«
Nichts geschah. Fragend sah er zu Trudi.
»Mach noch mal«, raunte sie ihm zu.
Und wieder rief David seinen Spruch, diesmal mit etwas lauterer und festerer Stimme. Gespannt schaute er über das reglos daliegende Wasser. Dann glaubte er, eine leichte Kräuselung in der Mitte des Sees zu erkennen. Und noch einmal rief er laut: »Rachel, Rachel, komm und zeige dich, ich möchte dich ergründen.«
Jetzt kam eindeutig Bewegung in das Wasser. Die Kräuselung wurde zu einem kleinen Wirbel, Wind kam auf und die Bäume begannen zu rauschen. Der Rabe ließ seinen schallenden Ruf hören, und der Wirbel wurde zu einem mächtigen Strudel. Das Wasser schlug hohe Wellen und David machte einen Satz nach hinten, bevor es ihm in die Schuhe schwappte.
Und dann stieg aus der Mitte des Sees ein riesiges, unförmiges Etwas empor.
David hatte im Fernsehen einmal gesehen, wie durch einen Vulkanausbruch eine neue Insel mitten im Meer entstand. Daran erinnerte er sich jetzt.
Das schwarze Ding im Wasser sah aus wie eine kleine, zerklüftete, kugelförmige Insel, die langsam von der Mitte des Sees zu ihnen ans Ufer trieb.
Steffi schob sich hinter ihn und griff wieder nach seiner Hand. Trudi stieß ein leises Wimmern aus. Ihr Licht flackerte bedrohlich.
»Lass uns jetzt bloß nicht mit diesem Ding im Dunkeln stehen«, zischte Steffi. »Du hast versprochen, uns zu helfen. Und wir brauchen jetzt vor allem Licht.«
Tatsächlich strahlte das Irrlicht daraufhin wieder kräftiger.
»Danke«, flüsterte David erleichtert. Doch dann versagte ihm die Stimme.
In dem schwarzen Gebilde, das direkt vor ihm Halt gemacht hatte, öffneten sich zwei fenstergroße Löcher, in denen ein blutrotes Feuer loderte. Es dauerte einige Schrecksekunden, bevor ihm klar wurde, dass es sich dabei um Augen handelte, die jetzt starr auf ihn gerichtet waren. Dann klaffte unter den Feueraugen eine weitere Öffnung auf. Ein Schwall modrig-fischiger Luft traf ihn ins Gesicht und er taumelte noch einen Schritt zurück. Eine Stimme ertönte, bei der ihm eine Gänsehaut über den Rücken lief. Sie blubberte und sabberte und bei jedem Wort ergoss sich ein Schwall stinkendes Wasser aus der Maulöffnung. Nur mit Mühe verstand er die Worte.
»Wer stört die Schwarze Rachel? Wer wagt es, sie anzurufen? Kennt er nicht die Folgen? Ergründest du mich, verschling ich dich.«
David kämpfte mit einem Anfall von Panik. Schon der Sumpfnickel hatte ihn erschreckt und der Graf war ihm überhaupt nicht geheuer gewesen, aber die beiden hatten doch zumindest ein bisschen Ähnlichkeit mit einem Menschen gehabt. Doch dieses Ding vor ihm hatte mit überhaupt nichts Ähnlichkeit, was er kannte. Es schien direkt aus der Hölle zu kommen.
Zum ersten Mal hatte er den Wunsch, sein Vorhaben einfach zu vergessen, sich umzudrehen und so schnell wie möglich nach Hause zu rennen. Doch direkt hinter ihm stand Steffi mit offenem Mund und starrte das Ding an. Er hätte sie über den Haufen rennen müssen, um hier wegzukommen. Und wie hätte er dann ausgesehen? Schließlich war er es gewesen, der ihr so lässig erklärt hatte, dass ihnen die Toten nichts anhaben konnten, wenn sie sich nicht erschrecken ließen. Da konnte er jetzt nicht einfach als Erster die Flucht ergreifen.
Mit klopfendem Herzen und beschämend zittriger Stimme sagte er: »Ich war es. Ich habe dich gerufen. Bist du die Schwarze Rachel?«
Ein blubberndes Lachen ertönte. »Sie ist es. Natürlich ist sie es. Wer sonst könnte es sein, kleiner Lebensatmer? Weshalb ruft er sie an? Ist er des Atmens müde?«
Unzählige Wellen platschten ans Ufer und spritzen nun doch über seine Schuhe. »Nein! Ganz bestimmt nicht«, beeilte sich David, die Kreatur von diesem gefährlichen Gedanken abzubringen. »Ich suche nur jemanden, der vor vier Monaten gestorben ist. Und ich wollte dich deshalb bitten, mich und meine Freunde in dein Reich zu lassen.«
»In ihr Reich will er? Ist das wahr?« Misstrauisch verengten sich die lodernden Augen. »Hat er denn keine Angst, für immer darin gefangen zu sein?«
»Deshalb bitten wir dich ja um deine Erlaubnis, damit du uns auch wieder hinauslässt.«
»Ihre Erlaubnis nützt ihm nichts, kleiner Lebensatmer. Die Rachel kann hereinlassen, aber nicht hinaus. Einmal herinnen, muss er sich seinen Weg nach draußen selbst suchen.«
»Aber es gibt einen Weg hinaus, nicht wahr?«, fragte David eifrig.
Ungeduldig blubberte die Schwarze Rachel vor sich hin, bis das Wasser um sie herum Blasen schlug. »Es gibt immer einen Weg. Die Frage ist nur, ob er ihn auch findet. Bisher hat ihn noch niemand gefunden …«
»Dann hat noch nie jemand dein Reich verlassen?«, fragte Steffi entsetzt.
Die lodernden Augenhöhlen schwenkten von David zu Steffi. »Noch keine Seele, die in ihr Reich verschafft wurde, hat es je wieder verlassen. Und auch kein Lebensatmer.« Sie grübelte kurz und fügte dann hinzu: »Sie hat aber auch noch nie einen Lebensatmer eingelassen.«
»Warum nicht?«, fragte David besorgt.
Wieder ertönte das blubbernde Lachen. »Weil sie noch nie einer darum gebeten hat.« Die Schwarze Rachel klang fast ein bisschen traurig. »Noch nie hat jemand freiwillig ihr Reich besucht.«
»Ach so.« David schöpfte bei ihren Worten neue Hoffnung. Wenn es noch nie jemand versucht hatte, konnte man ja auch nicht wissen, ob es wirklich so gefährlich im Reich der Schwarzen Rachel war. Nach dem ersten Schreck machte sie auf ihn jedenfalls einen weit weniger gefährlichen Eindruck als am Anfang.
Steffi schien es ähnlich zu gehen. Sie ließ Davids Hand los und trat vor. »Dann wirst du uns also einlassen?«
»Hm.« Die Schwarze Rachel wiegte sich nachdenklich im Wasser und schloss die Augen. »Sie weiß es noch nicht. Vielleicht ja, vielleicht auch nein. Es könnte Unfrieden geben in ihrem Reich, wenn sie es betreten. Und Unfriede bereitet ihr immer solche Bauchschmerzen.«
»Bitte.« David machte einen Schritt auf sie zu. »Du musst uns einlassen. Sonst wäre unsere ganze Mühe umsonst gewesen.«
In diesem Moment flog der Rabe von seinem Ast und setzte sich wieder auf Davids Schulter. Bei seinem scharfen Krächzen öffnete die Schwarze Rachel die Augen und starrte den Vogel fassungslos an. »Was macht er hier bei den kleinen Lebensatmern?«
Der Rabe krächzte erneut und flatterte mit den Flügeln, sodass David für einen Moment nichts als Federn um sich herum sah.
Die Schwarze Rachel hörte dem Vogel aufmerksam zu und gab dann ein nachdenkliches Blubbern von sich. »So, so«, gurgelte sie schließlich. »Er hält das also für eine weise Entscheidung.«
Wieder ertönte ein Krächzen, dann herrschte eine Weile Stille. David hielt gespannt den Atem an.
Schließlich gab die Rachel einen feuchten Seufzer von sich, bei dem sich ein besonders großer Schwall Wasser aus ihr ergoss. »Nun gut. Sie wird es versuchen. Aber mache er ihr keinen Vorwurf, wenn es schiefgeht. Sie dürfen gleich eintreten.« Damit schloss sie erneut die Augen und dann begann sie anzuschwellen wie ein riesiger, schwarzer Heißluftballon.
Sie wuchs und wuchs vor David in die Höhe, bis er den nächtlichen Himmel nicht mehr erkennen konnte. Als er schon zu fürchten begann, dass die Rachel gleich platzen müsse, hörte sie auf zu wachsen und öffnete ihre Augen, die nun hoch über ihnen glühten.
»Wenn er also tatsächlich entschlossen ist, zögert nicht länger und tretet ein in ihr Reich. Lasst euch verschlingen, um sie zu ergründen.« Ihre Stimme klang noch dumpfer und hallender als davor.
Sie öffnete ihr riesiges Maul und ließ eine schleimige, schwarze Zunge wie einen Teppich herausrollen.
…
© Patricia Rieger und Shadodex – Verlag der Schatten
»Rabenruf – David und das Geheimnis des Rachelsees «
von Patricia Rieger
Taschenbuch
ISBN: 978-3-98528-040-7
244 Seiten mit zahlreichen Schwarz-Weiß-Bildern
Preis: 15,00 €
E-Book
ISBN: 978-3-98528-041-4 (epub)
Preis: 4,99 €
Ein spannendes Abenteuer in einer anderen Welt für Kids ab 11 Jahren über Freundschaft und Verlust.
Angaben zur Produktsicherheit:
Hersteller:
Shadodex - Verlag der Schatten, Bettina Ickelsheimer-Förster
Ruhefeld 16/1, D-74594 Kreßberg-Mariäkappel
E-Mail: info@verlag-der-schatten.de
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Diesen Artikel haben wir am Dienstag, 1. Oktober 2024 in den Shop aufgenommen.