"Wenn Leichenfresser lieben ..." von Marius Kuhle
Ihre Heimat sind die Friedhöfe dieser Welt.
Bei Anbruch der Nacht kommen sie an die Oberfläche.
Das Fleisch der Verstorbenen ist ihre Nahrung.
Für den Friedhofswärter Kevin gibt es nur drei Dinge im Leben: Filmmusicals, seine herrische Mutter und seinen Job.
Sein trister Alltag nimmt eine unerwartete Wendung, als drei Vandalen nachts auf dem Friedhof randalieren und nicht nur die Ruhe der Toten stören, denn unter den Totenackern dieser Welt leben die Ghule.
Als Kevin auf eine Leichenfresserin trifft, die ihn wohl schon länger beobachtet, nimmt das Schicksal seinen Lauf und eine blutig morbide Liebesgeschichte beginnt.
Marius Kuhle vermengt einen Spritzer Horror mit einem Schuss Romantik, gibt eine Prise Musik hinzu und fertig ist das Grusical über eine Horromance zwischen zwei sich Liebenden, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Taschenbuch
ISBN: 978-3-946381-46-4
188 Seiten, Preis: 10,95 €
E-Book (nicht hier im Shop erhältlich)
ISBN: 978-3-946381-48-8 (epub)
Preis: 3,99 €
Bei Anbruch der Nacht kommen sie an die Oberfläche.
Das Fleisch der Verstorbenen ist ihre Nahrung.
Für den Friedhofswärter Kevin gibt es nur drei Dinge im Leben: Filmmusicals, seine herrische Mutter und seinen Job.
Sein trister Alltag nimmt eine unerwartete Wendung, als drei Vandalen nachts auf dem Friedhof randalieren und nicht nur die Ruhe der Toten stören, denn unter den Totenackern dieser Welt leben die Ghule.
Als Kevin auf eine Leichenfresserin trifft, die ihn wohl schon länger beobachtet, nimmt das Schicksal seinen Lauf und eine blutig morbide Liebesgeschichte beginnt.
Marius Kuhle vermengt einen Spritzer Horror mit einem Schuss Romantik, gibt eine Prise Musik hinzu und fertig ist das Grusical über eine Horromance zwischen zwei sich Liebenden, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Taschenbuch
ISBN: 978-3-946381-46-4
188 Seiten, Preis: 10,95 €
E-Book (nicht hier im Shop erhältlich)
ISBN: 978-3-946381-48-8 (epub)
Preis: 3,99 €
Leseprobe
»Wenn Leichenfesser lieben …«
von Marius Kuhle
KAPITEL III
»Wenn Leichenfesser lieben …«
von Marius Kuhle
KAPITEL III
...
Kevin stimmte gerade eine Saite, als von draußen die Geräusche seiner Nachbarn zu ihm drangen: Knurren, Schmatzlaute, Schritte von nackten Füßen im Gras, ihr Geheul, das hysterische, humorlose Lachen …
»Das darf doch nicht wahr sein«, murmelte er, stellte die Gitarre neben das Bett und ging zum Fenster.
Der Himmel war doch viel zu klar und der Friedhof zu gut beleuchtet, als dass sie sich an die Oberfläche trauten. Allerdings bestätigten Ausnahmen bekanntlich die Regeln.
Sie hatten den Leichnam nicht in ihr Erdreich gezogen, sondern ihn von unten nach oben aus dem Grab befreit. Das bedeutete für Kevin nicht nur eine schlaflose Nacht, sondern auch, dass er wieder das Grab zuschaufeln und ihre Hinterlassenschaften beseitigen musste.
Im aufziehenden Nebel, der durch das Mondlicht erhellt leuchtete, erkannte Kevin die Umrisse, Schemen und Schatten der Ghule. Sie tollten herum, schienen miteinander Fangen zu spielen, hockten auf den Grabsteinen und ein paar huschten ziellos umher. Die meisten balgten sich aber um das frische tote Fleisch.
Den Körper hatten sie größtenteils aus dem Leichentuch befreit, das dem Verstorbenen nur noch in Fetzen über dem Körper hing, und zerrten diesen über den Boden, während sich das Rudel an ihm nährte. Wer keine freie Stelle fand, um sein Maul in das Fleisch zu graben, riss einfach ein Stück vom Festmahl ab, entweder einen Arm, ein Bein oder Fleischbrocken, und trottete damit zwischen den Gräbern davon.
Die Größe und Proportion der Ghule erinnerten an Menschen, mehr konnte und wollte Kevin nicht erkennen.
Er war gerade dabei, das Fenster zu schließen, da entdeckte er im weiß erstrahlten Dunst eine undefinierbare Gestalt nicht weit von der Friedhofsmauer entfernt.
Vollkommen gerade und regungslos stand sie zwischen der Statue eines Engels mit ausgebreiteten Flügeln und einem besonders großen Grabstein und sah zu ihm hoch. Das lange Haar wehte im Wind und strich über den steinernen Leib des Engels. Die furchterregende Klangkulisse schien diesen Schemen überhaupt nicht zu stören.
Mit Sicherheit war es ein Ghul. Nur warum wetzte die Kreatur nicht umher oder kämpfte um das Fleisch wie seine Artgenossen? Warum sah das Wesen überhaupt in Kevins Richtung? Beobachtete es ihn etwa?
Ja, das tat es, denn ein verirrter Lichtstrahl huschte dem Wesen ganz kurz über das Gesicht, und Kevin konnte für einen Moment das bernsteinfarbene Augenpaar erkennen, das zu ihm hochsah.
Plötzlich sprang Kevin etwas von der Seite laut fauchend an, und er stolperte schreiend zurück.
Es war Herkules, ein fetter, rotbrauner Kater, der Melissa aus der Stadt gehörte. Der Friedhof und seine Umgebung gehörten zu seinen bevorzugten Jagdgebieten, und oft machte er dann hier bei ihm Rast.
»Herrgott, Herkules«, zischte Kevin und griff nach seinem rasenden Herzen.
Mit einem dumpfen Plumps sprang das Tier ins Zimmer, um sofort sein gewohntes Quartier unter Kevins Schreibtisch in Beschlag zu nehmen. Der eigentliche Eigentümer des Zimmers beachtete den Kater aber nicht weiter, sondern ging zum Fenster zurück.
Der Ghul hatte seine Beobachtung beendet und war wieder im Schutz der Schatten und der Dunkelheit verschwunden. Auf dem großen Friedhof konnte er jetzt überall sein.
Mit einem mulmigen Gefühl schloss Kevin das Fenster. Erst jetzt atmete er durch und entspannte sich ein wenig.
…
KAPITEL VIII
Kevin sprühte das schäumende Reinigungsmittel auf den ausgebleichten Grabstein und fing an zu scheuern, doch das streng riechende Zeug vernichtete die Schmiererei selbst nach langem, mühsamem Schrubben kaum. Es blieb immer noch ein pinker Schimmer auf dem grauen Stein.
Er putzte kräftiger und energischer, dennoch bekam er den Neonschein einfach nicht ab. Langsam lenkte Wut seinen Arm und verlieh der Bewegung zusätzlich Tempo und Kraft. Kevin schien sich mit der Bürste durch den Stein graben zu wollen, und als unter dem dreckigen, grauweißen Putzschaum wieder die leuchtende Farbe genauso blass und beständig hervorkam wie zuvor, schleuderte er wütend die Bürste gegen die Holzbank in der Nähe und setzte sich ins Gras.
»Herrgott … verfluchte Idioten«, zischte er durch seine zusammengebissenen Zähne.
Er sah sich die Reihen der verunstalteten Gräber an und fragte sich, wie man nur so grausam und rücksichtlos sein konnte, nur um einem verhassten Menschen zu schaden? Mit alldem hatten sie doch überhaupt nichts erreicht.
Sein Schmerz und Zorn verflüchtigten sich langsam bei dem Anblick des unversehrten Schmetterlingsstrauches, der sich zwischen der Mauer und einer Holzgrabtafel befand.
Ein Schwarm dieser bunten Tiere wehte um die Grabmale herum oder setzte sich auf die Kreuze.
So eigentümlich die Schönheit dieses Ortes auch war, verliehen solche Kleinigkeiten ihm erst einen besonderen Zauber.
Kevin sah dem Tanz der Schmetterlinge noch ein wenig zu, bis er innerlich wieder zur Ruhe kam. Dann wollte er weitermachen. Er hatte nicht den ganzen Tag Zeit und war immer noch beim ersten Grabstein. Aufgeben war keine Option, und das Chaos beseitigte sich nicht von allein. Schnaufend stemmte er sich wieder hoch, um seine Arbeit fortzusetzen.
Diesmal sprühte Kevin eine großzügige Menge auf den Stein, um die letzten Spuren endgültig zu beseitigen. Egal wie lange es auch dauern mochte.
Er schrubbte wieder eine Weile, dann glaubte er plötzlich etwas riechen zu können. Selbst durch den ätzenden, chemischen Gestank des Putzzeugs, dem Duft der Blumen und der Wiese.
Schnell verflüchtigte der Geruch sich jedoch. Er hielt nur einen kurzen Moment an wie das Parfüm einer vorbeigehenden Schönheit. Nur war es kein Honigduft oder der nach Apfelblüten. Es roch zwar etwas streng, schwer und säuerlich, für ihn aber auch angenehm und schön.
Kevin hielt kurz inne, der Duft verflog nun vollständig, und weil er nicht richtig zuordnen konnte, woher er ihn kannte, putzte er weiter.
Kurz darauf nahm er dieses Aroma wieder wahr. Deutlich stärker und intensiver als zuvor.
Dann erkannte er es endlich. Es war die Duftnote vom Stoff, nur scheinbar frisch aufgetragen. Dazu kamen schnell vorbeihuschende Schritte.
In der Hocke drehte Kevin sich um, konnte aber niemand sehen.
Er wartete einen Augenblick, bis er sich sicher war, dass er es sich nur eingebildet hatte, aber kaum hatte er sich wieder umgedreht, huschte etwas spürbar an seinem Rücken vorbei und zog einen dünnen Duftnebel hinter sich her.
Sofort fuhr Kevin hoch. »Wer ist da?«
Nur die Krähen in den Bäumen gaben Antwort.
Er drehte sich hin und her, fand aber den Urheber der Schritte und den Träger des Parfüms nicht.
»Bist du das, Björn?«
Jetzt war der Unbekannte wieder hinter ihm.
Kevin wirbelte herum und erhaschte etwas. Richtig erkennen konnte er die Gestalt jedoch nicht.
»Findest du das lustig?«
Keine Antwort.
Langsam schritt Kevin rückwärts zu seinem Karren. Als er mit dem Rücken dagegenstieß, raschelte einer der vielen Büsche, was die Krähen aufschreckte und diese lautstark davonflattern ließ.
»Das reicht jetzt.« Er riss Vanessa aus ihrer Halterung und hielt seine treue Gefährtin wie ein Schwert. Auch wenn er sie heute nicht brauchte, hatte er sie immer dabei. »Verlass sofort meinen Friedhof!«, rief er bestimmt.
Wer immer mit ihm hier war, Björn oder sonst wer, ließ sich von seinen Drohungen nicht einschüchtern und blieb weiter in seinem Versteck.
Sachte ließ Kevin die Arme sinken. Er starrte weiter über die unregelmäßig verteilten grauen, schwarzen und weißen Grabsteine und Kreuze hinweg. Dann schloss er die Augen, atmete die frische Luft ein und filterte die anderen Düfte heraus, bis er ihn wieder wahrnahm.
Jetzt, wo dieses Parfüm frisch war, konnte er es besser einschätzen, auch wenn er sich nicht sicher war, ob er die Zusammenstellung richtig einordnete, denn die war sehr eigen: Zimt, säuerliche Milch und feuchte Erde.
Das Metallgitter einer nahe gelegenen Gruft schlug zu.
Erschrocken riss Kevin Vanessa wieder hoch und eilte zu dem einzigen Gebäude in der Nähe. Wer immer mit ihm hier war, versuchte sich also dort zu verstecken.
Viele Menschen hofften und glaubten, wenn sie ihre Verstorbenen in gut geschützten Grüften beerdigten, dass sie dann nicht von den Ghulen verspeist wurden.
Ein Irrglaube, denn wenn es auch länger dauerte, bis sich die Kreaturen durch den dicken Betonboden gruben, gelangten sie letzten Endes doch an ihr begehrtes Fleisch.
Kevin rannte zu der Gruft, deren Metalltür einen Spalt offen stand. Sie schwankte noch ein wenig.
Vorsichtig blickte Kevin hinein. Im dunklen Inneren bewegte sich geduckt ein Schatten.
»Hab ich dich!« Mit Vanessas Spitze öffnete er langsam das Gitter.
Auch wenn etwas Sonnenlicht in die enge Gruft fiel, drang es kaum bis in das Innere vor. Es war, als ob die Dunkelheit das Licht auffraß, um ihren Bewohner nicht preisgeben zu müssen.
Wie ein verängstigtes Tier huschte dieser umher, bis er in einer Ecke Schutz suchte. Er war nicht mehr als ein verschwommener, undeutlicher Fleck.
»Komm sofort raus!«
Nichts geschah.
Kevin schlug mit Vanessa zweimal gegen das Metallgitter. Die Gestalt zuckte zuerst zusammen, erhob sich dann ein wenig und trat langsam auf Kevin zu. Sie verließ aber nicht die Gruft, sondern warf etwas in seine Richtung.
Zunächst konnte er es nicht richtig ausmachen, doch je weiter es auf ihn zuflog, desto deutlicher erkannte er es: Björn! Oder vielmehr sein abgetrennter, verunstalteter Kopf.
Wie beim Völkerball raste der Schädel auf ihn zu mit dem Gesicht voran. Das geschah so schnell und plötzlich, dass Kevin überhaupt nicht reagieren konnte.
Der Kopf traf ihn an der Brust, prallte ab, wirbelte um die eigene Achse und stürzte um sich drehend auf den Boden.
Schreiend sprang Kevin zurück. Er stolperte dabei wie Jerry Lewis über seine eigenen Füße und fiel nach hinten. Als er sich wieder aufrichtete, sah er Björns Kopf vor sich im Gras ruhen mit einen noch dümmeren Gesichtsausdruck als sonst.
Die Augen waren so weit nach oben gerichtet, dass man fast nur noch das Weiße erkennen konnte. Das rote Haar war vollkommen zerzaust und dreckig. Sein Gesicht war schmierig, mit brauner Erde und Blut bedeckt. Sein linkes Ohr fehlte. Überall auf seinem Kopf liefen tiefe Kratz- und Bissspuren entlang. Der Unterkiefer war gebrochen. Er hing schief herab wie ein schlecht aufgehängtes Bild.
Kevin atmete stoßweise und kämpfte gleichzeitig damit, sich nicht übergeben zu müssen und ohnmächtig zu werden.
Er wollte schreien, aber kein Ton kam aus seiner zugeschnürten Kehle.
Fast sein ganzes Leben hatte er es mit Stücken und Teilen von verstorbenen Menschen zu tun gehabt, aber noch nie mit einem geradezu frischen Schädel von einem Menschen, den er gut kannte. Das war etwas völlig anderes.
Kevin stemmte die Handflächen in das Gras, um aufzustehen, doch seine Arme gaben nach und er rutschte wieder zurück. Dabei stieß er mit seinem Fuß den Kopf um.
»Oh …«, würgte er nur hervor.
Ein Kichern kam aus der Gruft. Es war ein kindliches, aber grausames Kichern. Wie von einem kleinen Mädchen, das einem Käfer die Beine ausriss.
Der Schatten trat nun aus der Dunkelheit hervor. Sehr, sehr langsam. Je näher er kam, desto stärker drang der Duft aus dem Gebäude. Fast schon zu penetrant und aufdringlich.
Und jetzt konnte Kevin ihn endlich zuordnen: feuchte, modrige Erde, ein Hauch von Schweiß, verfeinert mit süßlichem Blut und dem unverkennbaren Geruch des Todes.
Zuerst sah er nur das bernsteinfarbene Augenpaar, das sich aus der Dunkelheit schälte. Je weiter die Kreatur aber ins Tageslicht trat, desto mehr begann Kevin, an seinem Verstand zu zweifeln.
Hatte sein Herz eben noch mit Lichtgeschwindigkeit gerast, wagte es jetzt kaum, ein einziges Mal zu schlagen, als das Gesicht zum Vorschein kam. ...
© Marius Kuhle und Verlag der Schatten
»Wenn Leichenfresser lieben …«
von Marius Kuhle
ISBN (Taschenbuch):
978-3-946381-46-4
188 Seiten, Preis: 10,95 €
ISBN (epub): 978-3-946381-48-8
3,99 €
Horronantasy meets Grusical
Angaben zur Produktsicherheit:
Hersteller:
Shadodex - Verlag der Schatten, Bettina Ickelsheimer-Förster
Ruhefeld 16/1, D-74594 Kreßberg-Mariäkappel
E-Mail: info@verlag-der-schatten.de
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