"Das Blühen der Finsternis" von Florian Lang
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Seit jeher ranken sich Gerüchte um okkulte Bücher, deren verbotenes Wissen in dem Ruf steht, die Mächte des Übersinnlichen zu beschwören.
Sind das nur Legenden?
Probiere es aus … erlebe das surreale Grauen, wenn der Rockstar Mickey Hutton sein dämonisches Buch aufschlägt. Berauscht von übernatürlichen Mächten, versetzt der Gitarrist die Musikwelt in Ekstase. Doch was wird der Preis sein für den Ruhm?
Camping, Bier und Rock ’n’ Roll – dafür steht das legendäre Monster-FM-Festival. Bugneat, Brenda und Chad genießen das Event in vollen Zügen. Doch als der Auftritt von Mickey Huttons Band Stretched näher rückt, werden sie Zeugen unheimlicher Vorkommnisse.
Indessen gelangt der Dämonologe Doktor Price zu einer frappierenden Erkenntnis: Das ›Collum Hermes Trismegistos‹, die verheerendste aller dämonischen Schriften, existiert tatsächlich. Er begibt sich auf die Jagd nach dem Buch. Doch er ist nicht der Einzige …
Sind das nur Legenden?
Probiere es aus … erlebe das surreale Grauen, wenn der Rockstar Mickey Hutton sein dämonisches Buch aufschlägt. Berauscht von übernatürlichen Mächten, versetzt der Gitarrist die Musikwelt in Ekstase. Doch was wird der Preis sein für den Ruhm?
Camping, Bier und Rock ’n’ Roll – dafür steht das legendäre Monster-FM-Festival. Bugneat, Brenda und Chad genießen das Event in vollen Zügen. Doch als der Auftritt von Mickey Huttons Band Stretched näher rückt, werden sie Zeugen unheimlicher Vorkommnisse.
Indessen gelangt der Dämonologe Doktor Price zu einer frappierenden Erkenntnis: Das ›Collum Hermes Trismegistos‹, die verheerendste aller dämonischen Schriften, existiert tatsächlich. Er begibt sich auf die Jagd nach dem Buch. Doch er ist nicht der Einzige …
Kapitel 5 (Auszug)
…
Mickey entsann sich der unzähligen Menschen, die in dieser Stadt unterwegs waren. Auch sie kamen ihm vor wie kleine Lichter, eingehüllt in einen riesigen, dunklen Organismus – und zugleich schienen sie auf die eine oder andere Weise immer allein zu sein. Niemals vereinigten sie sich zu einer großen, warmen Sonne, obwohl sie alle – jeder für sich – Licht aussandten.
Auf einem Rockkonzert waren sie anders, und jetzt wusste er genau, wovon er sprach. Dieser Sonnenwind, diese Energie von Tausenden, die alle dasselbe fühlen – das ist pure Magie, dachte er. Vor Leuten zu spielen, zu spüren, wie sie seine Songs aufnahmen und zurückstrahlten: Dafür lebte er. Nichts war stärker für ihn als diese Art der Kommunikation. Sein Onkel, Joey Sola, hatte ihm einst davon erzählt.
»Deswegen bringe ich’s dir bei«, hatte Onkel Joey gesagt, »weil die Musik dich in die Herzen der Menschen bringt. Egal wer du bist, egal wie du aussiehst. Kein Filter, kein Gequatsche. Es bricht einfach über sie herein, und wenn du es draufhast, geben sie sich hin. Dann sind sie vollkommen bei dir. Alle im selben Moment.«
So hatte Onkel Joey das gesagt. Zugegeben, vielleicht war er einfach nur stoned gewesen – aber die Wetten standen ebenso gut, dass er es nicht war.
Mickey war damals zehn, vielleicht elf Jahre alt, hatte gerade begonnen mit elektrischen Gitarren zu üben. Er musste lachen, als er daran dachte. Es waren grob gesagt die Akkorde E, D und A gewesen, weil er wochenlang nichts anderes als ›Back In Black‹ spielen wollte. Mein Gott, was hatte er AC/DC geliebt, oder was hatte er Steve Miller geliebt! Er und Onkel Joey hatten immer die alten Songs zusammen gespielt. Und er hatte von Beginn an kapiert, was sein Onkel meinte: der Vorwärtsdrang, die jugendliche Energie des Rock – es war wie eine Art Geheimsprache, die er sofort verstand.
Mickey wandte den Blick zur Ecke neben dem Kamin. Dort stand sie, neben der blitzblanken Gibson: seine alte, abgegriffene Fender – die Gitarre, die Onkel Joey ihm einst geschenkt hatte. Die hatte er immer bei sich, egal wohin es ihn verschlug. Niemals würde er sie einem Roadie in die Hand drücken. Onkel Joey hatte bei Auftritten ebenfalls eine Fender gespielt, eine gelbe Telecaster. Sie war merkwürdig zu spielen, sie hatte leicht ausgehöhlte Bünde, die dem Klang etwas Besonderes, Violinenartiges verliehen. Mickey fluchte, als ihm bewusst wurde, wie dermaßen Siebziger dieses Teil war. Wo es wohl abgeblieben sein mochte, so lange nach allem, was passiert war? Er stellte (nicht ohne Gewohnheit) fest, dass er keine Ahnung hatte. Hatte Mum es nach Onkel Joeys Tod nach L.A. schaffen lassen? Verrottete das gute Stück am Ende auf einem muffigen Dachboden? Verrottete es etwa genauso wie … Jetzt seufzte er. Es war die Stelle, an der er jedes Mal seufzte. In der Tat gab es da noch etwas anderes Altes, das gleichsam dem fahrlässigen Verfall überlassen war. Und dieses andere war in jeder Hinsicht schwerwiegender. Denn es lag nicht etwa auf einem Dachboden, wo es vom allmählichen Moder ergriffen zerfiel. Es lag vor allem auf Mickeys Gewissen, wo es im übertragenen Sinn vermoderte – wo es jedoch nicht zerfiel, sondern stattdessen fortzeugende Wülste aus neuer Leichensubstanz hervorbrachte, deren Ausdünstungen sich nur allzu leicht an lose Gedanken hefteten. Man hätte es eine Art intimes Erbe seines Onkels an ihn nennen können. In seinen Gedanken bezeichnete Mickey es schlicht als ›die Schachtel‹, was eine zwanghafte Verallgemeinerung war, die ihm zuweilen selbst übertrieben vorkam. Schließlich ging es nicht um die Büchse der Pandora. Und trotzdem: Dieser unscheinbare Karton mit persönlichen Dingen seines Onkels, womöglich sogar Kompositionen und Texten, war ein Paket aus der Vergangenheit (wenn nicht gar aus dem Reich der Toten). Mum hatte gemeint, er könne irgendwann etwas damit anfangen. Daraufhin war es ein familiäres und leicht angeschimmeltes Pflichtgefühl gewesen, unter dem er sich vornahm, den Inhalt der Schachtel wenigstens ein Mal durchzusehen. Seine Erinnerung jedoch war stets davor zurückgeschreckt. Vielleicht aus der Sorge heraus, sich einer jugendlichen Anmaßung schuldig zu machen – oder aus einer leisen Vorahnung, dass die Belange der Toten nicht die Belange der Lebenden sein sollten.
Heute war alles anders. Mickey fand, dass er so weit war. Musikalisch würde er nie zu Onkel Joey aufschließen. Als Mitglied einer Band, die Platten verkaufen wollte, war das einfach nicht drin. Doch er hatte es zum Monster-FM geschafft, und wann zur Hölle sollte es einen besseren Zeitpunkt geben, um sich die letzten Geheimnisse seines Lehrmeisters unter den Nagel zu reißen?
Sein Blick fiel auf den Wandschrank. Dort lagerten die Umzugskisten. Seit der Entscheidung, ausschließlich in Hotels zu leben, zog er sie von Stadt zu Stadt hinter sich her. Über das Warum war er sich gar nicht im Klaren, und wahrscheinlich bestand die einzig vernünftige Lösung darin, den ganzen Krempel kurzum aus dem Fenster zu werfen. Aber erst wenn er die Schachtel gefunden hatte.
Gegen Mitternacht war Mickey zum Epizentrum eines beträchtlichen Durcheinanders geworden. Von alten T-Shirts, Jacken und Songbooks ging der Kram über zu unbenutzten Küchengeräten oder aufblasbaren Möbeln. Sogar ein aufblasbares Zelt war dabei, und Mickey war sofort wieder Feuer und Flamme dafür – wenngleich er sich nur schwer vorstellen konnte, mit Typen wie Dave oder Bradey auf einem Zeltplatz aufzuschlagen. Da konnte man die Nacht genauso gut im Tourbus durchzechen.
Dann hielt er die Schachtel in den Händen. Die Pappe war aufgedunsen und mehlig, darüber hinaus auf eine merkwürdig indirekte Weise feucht. Erneut überkam ihn die Ehrfurcht, ein Siegel zum Jenseits aufzubrechen. Was in dieser Schachtel wartete, waren die Nachrichten eines toten Mannes. Sein Onkel würde also noch einmal im Diesseits wirken – durch Mickeys Augen.
Er klappte den Deckel hoch. Ein muffiger Geruch stieg warnend in seine Nase, und irgendwie begannen seine Ohrläppchen zu jucken. Was er dann sah, war nicht sonderlich viel: ein kleines Büchlein in rotem Samteinschlag und mit einem goldenen Verschluss, darunter ein Stapel loser Aufzeichnungen. Dann noch ein Buch von ähnlichem Format, das weniger ins Auge fiel, weil es in mehrere Lagen Folie eingewickelt war. Zum Schluss noch eine Armbanduhr, eine silberne Halskette und zwei Flaschen Whiskey. Beide bereits angetrunken.
Mickey nahm das Büchlein. Er öffnete den Verschluss, fluchte, weil er sich einen Nagel dabei abbrach, und blätterte es durch. Es war ein Adressbuch. Er überflog ein paar Namen und Telefonnummern. Alles nichtssagendes Zeug – bestimmt waren die meisten davon Session-Musiker oder Clubbesitzer aus Mellow, der Gegend im Mittleren Westen, in der Onkel Joey zuletzt gelebt hatte. Auch die Kontaktdaten einiger Damen waren dabei, was Mickey ein pubertäres Lächeln abgewann.
Er legte das Adressbuch zurück und nahm das andere, das eingewickelte, Buch heraus. Es war ein wenig größer, etwa vom Format eines Taschenbuchs, aber das war nicht der springende Punkt, denn als er es auspackte, bemerkte er sofort, dass es uralt sein musste. Die Verleimung war im Begriff, sich aufzulösen. Das Papier, dessen dunkle Ränder wie angekokelt wirkten, hatte eine mottenartige Farbe. Es war dermaßen abgegriffen und spröde, dass es sich anfühlte wie eine hauchdünne Hostie.
Mickey wurde vorsichtig. Er hatte einen Sinn für alte, wertvolle Dinge, vielleicht weil er alte, wertvolle Gitarren so liebte. Aber dieses Buch war nicht etwa Siebziger oder Sechziger, wie Mickey zu sagen pflegte. Heilige Scheiße, dachte er, es war nicht mal Zwanziger oder Zehner. Dieses Teil hatte locker über hundert Jahre auf dem Buckel.
Er betrachtete die Rückseite des Einbands. Als er mit dem Finger darüberstrich, bröckelten Stückchen davon herunter. Dennoch erkannte er altmodische Buchstaben.
Das ist Latein oder so was, dachte er. Langsam entzifferte er die verblichene Schrift:
…
Mickey entsann sich der unzähligen Menschen, die in dieser Stadt unterwegs waren. Auch sie kamen ihm vor wie kleine Lichter, eingehüllt in einen riesigen, dunklen Organismus – und zugleich schienen sie auf die eine oder andere Weise immer allein zu sein. Niemals vereinigten sie sich zu einer großen, warmen Sonne, obwohl sie alle – jeder für sich – Licht aussandten.
Auf einem Rockkonzert waren sie anders, und jetzt wusste er genau, wovon er sprach. Dieser Sonnenwind, diese Energie von Tausenden, die alle dasselbe fühlen – das ist pure Magie, dachte er. Vor Leuten zu spielen, zu spüren, wie sie seine Songs aufnahmen und zurückstrahlten: Dafür lebte er. Nichts war stärker für ihn als diese Art der Kommunikation. Sein Onkel, Joey Sola, hatte ihm einst davon erzählt.
»Deswegen bringe ich’s dir bei«, hatte Onkel Joey gesagt, »weil die Musik dich in die Herzen der Menschen bringt. Egal wer du bist, egal wie du aussiehst. Kein Filter, kein Gequatsche. Es bricht einfach über sie herein, und wenn du es draufhast, geben sie sich hin. Dann sind sie vollkommen bei dir. Alle im selben Moment.«
So hatte Onkel Joey das gesagt. Zugegeben, vielleicht war er einfach nur stoned gewesen – aber die Wetten standen ebenso gut, dass er es nicht war.
Mickey war damals zehn, vielleicht elf Jahre alt, hatte gerade begonnen mit elektrischen Gitarren zu üben. Er musste lachen, als er daran dachte. Es waren grob gesagt die Akkorde E, D und A gewesen, weil er wochenlang nichts anderes als ›Back In Black‹ spielen wollte. Mein Gott, was hatte er AC/DC geliebt, oder was hatte er Steve Miller geliebt! Er und Onkel Joey hatten immer die alten Songs zusammen gespielt. Und er hatte von Beginn an kapiert, was sein Onkel meinte: der Vorwärtsdrang, die jugendliche Energie des Rock – es war wie eine Art Geheimsprache, die er sofort verstand.
Mickey wandte den Blick zur Ecke neben dem Kamin. Dort stand sie, neben der blitzblanken Gibson: seine alte, abgegriffene Fender – die Gitarre, die Onkel Joey ihm einst geschenkt hatte. Die hatte er immer bei sich, egal wohin es ihn verschlug. Niemals würde er sie einem Roadie in die Hand drücken. Onkel Joey hatte bei Auftritten ebenfalls eine Fender gespielt, eine gelbe Telecaster. Sie war merkwürdig zu spielen, sie hatte leicht ausgehöhlte Bünde, die dem Klang etwas Besonderes, Violinenartiges verliehen. Mickey fluchte, als ihm bewusst wurde, wie dermaßen Siebziger dieses Teil war. Wo es wohl abgeblieben sein mochte, so lange nach allem, was passiert war? Er stellte (nicht ohne Gewohnheit) fest, dass er keine Ahnung hatte. Hatte Mum es nach Onkel Joeys Tod nach L.A. schaffen lassen? Verrottete das gute Stück am Ende auf einem muffigen Dachboden? Verrottete es etwa genauso wie … Jetzt seufzte er. Es war die Stelle, an der er jedes Mal seufzte. In der Tat gab es da noch etwas anderes Altes, das gleichsam dem fahrlässigen Verfall überlassen war. Und dieses andere war in jeder Hinsicht schwerwiegender. Denn es lag nicht etwa auf einem Dachboden, wo es vom allmählichen Moder ergriffen zerfiel. Es lag vor allem auf Mickeys Gewissen, wo es im übertragenen Sinn vermoderte – wo es jedoch nicht zerfiel, sondern stattdessen fortzeugende Wülste aus neuer Leichensubstanz hervorbrachte, deren Ausdünstungen sich nur allzu leicht an lose Gedanken hefteten. Man hätte es eine Art intimes Erbe seines Onkels an ihn nennen können. In seinen Gedanken bezeichnete Mickey es schlicht als ›die Schachtel‹, was eine zwanghafte Verallgemeinerung war, die ihm zuweilen selbst übertrieben vorkam. Schließlich ging es nicht um die Büchse der Pandora. Und trotzdem: Dieser unscheinbare Karton mit persönlichen Dingen seines Onkels, womöglich sogar Kompositionen und Texten, war ein Paket aus der Vergangenheit (wenn nicht gar aus dem Reich der Toten). Mum hatte gemeint, er könne irgendwann etwas damit anfangen. Daraufhin war es ein familiäres und leicht angeschimmeltes Pflichtgefühl gewesen, unter dem er sich vornahm, den Inhalt der Schachtel wenigstens ein Mal durchzusehen. Seine Erinnerung jedoch war stets davor zurückgeschreckt. Vielleicht aus der Sorge heraus, sich einer jugendlichen Anmaßung schuldig zu machen – oder aus einer leisen Vorahnung, dass die Belange der Toten nicht die Belange der Lebenden sein sollten.
Heute war alles anders. Mickey fand, dass er so weit war. Musikalisch würde er nie zu Onkel Joey aufschließen. Als Mitglied einer Band, die Platten verkaufen wollte, war das einfach nicht drin. Doch er hatte es zum Monster-FM geschafft, und wann zur Hölle sollte es einen besseren Zeitpunkt geben, um sich die letzten Geheimnisse seines Lehrmeisters unter den Nagel zu reißen?
Sein Blick fiel auf den Wandschrank. Dort lagerten die Umzugskisten. Seit der Entscheidung, ausschließlich in Hotels zu leben, zog er sie von Stadt zu Stadt hinter sich her. Über das Warum war er sich gar nicht im Klaren, und wahrscheinlich bestand die einzig vernünftige Lösung darin, den ganzen Krempel kurzum aus dem Fenster zu werfen. Aber erst wenn er die Schachtel gefunden hatte.
Gegen Mitternacht war Mickey zum Epizentrum eines beträchtlichen Durcheinanders geworden. Von alten T-Shirts, Jacken und Songbooks ging der Kram über zu unbenutzten Küchengeräten oder aufblasbaren Möbeln. Sogar ein aufblasbares Zelt war dabei, und Mickey war sofort wieder Feuer und Flamme dafür – wenngleich er sich nur schwer vorstellen konnte, mit Typen wie Dave oder Bradey auf einem Zeltplatz aufzuschlagen. Da konnte man die Nacht genauso gut im Tourbus durchzechen.
Dann hielt er die Schachtel in den Händen. Die Pappe war aufgedunsen und mehlig, darüber hinaus auf eine merkwürdig indirekte Weise feucht. Erneut überkam ihn die Ehrfurcht, ein Siegel zum Jenseits aufzubrechen. Was in dieser Schachtel wartete, waren die Nachrichten eines toten Mannes. Sein Onkel würde also noch einmal im Diesseits wirken – durch Mickeys Augen.
Er klappte den Deckel hoch. Ein muffiger Geruch stieg warnend in seine Nase, und irgendwie begannen seine Ohrläppchen zu jucken. Was er dann sah, war nicht sonderlich viel: ein kleines Büchlein in rotem Samteinschlag und mit einem goldenen Verschluss, darunter ein Stapel loser Aufzeichnungen. Dann noch ein Buch von ähnlichem Format, das weniger ins Auge fiel, weil es in mehrere Lagen Folie eingewickelt war. Zum Schluss noch eine Armbanduhr, eine silberne Halskette und zwei Flaschen Whiskey. Beide bereits angetrunken.
Mickey nahm das Büchlein. Er öffnete den Verschluss, fluchte, weil er sich einen Nagel dabei abbrach, und blätterte es durch. Es war ein Adressbuch. Er überflog ein paar Namen und Telefonnummern. Alles nichtssagendes Zeug – bestimmt waren die meisten davon Session-Musiker oder Clubbesitzer aus Mellow, der Gegend im Mittleren Westen, in der Onkel Joey zuletzt gelebt hatte. Auch die Kontaktdaten einiger Damen waren dabei, was Mickey ein pubertäres Lächeln abgewann.
Er legte das Adressbuch zurück und nahm das andere, das eingewickelte, Buch heraus. Es war ein wenig größer, etwa vom Format eines Taschenbuchs, aber das war nicht der springende Punkt, denn als er es auspackte, bemerkte er sofort, dass es uralt sein musste. Die Verleimung war im Begriff, sich aufzulösen. Das Papier, dessen dunkle Ränder wie angekokelt wirkten, hatte eine mottenartige Farbe. Es war dermaßen abgegriffen und spröde, dass es sich anfühlte wie eine hauchdünne Hostie.
Mickey wurde vorsichtig. Er hatte einen Sinn für alte, wertvolle Dinge, vielleicht weil er alte, wertvolle Gitarren so liebte. Aber dieses Buch war nicht etwa Siebziger oder Sechziger, wie Mickey zu sagen pflegte. Heilige Scheiße, dachte er, es war nicht mal Zwanziger oder Zehner. Dieses Teil hatte locker über hundert Jahre auf dem Buckel.
Er betrachtete die Rückseite des Einbands. Als er mit dem Finger darüberstrich, bröckelten Stückchen davon herunter. Dennoch erkannte er altmodische Buchstaben.
Das ist Latein oder so was, dachte er. Langsam entzifferte er die verblichene Schrift:
C - O - L - L - U - M
H - E - R - M - E - S
T - R - I - S - M - E - G - I - S - T - O - S
B - A - N - D – 3
© Florian Lang und Verlag der Schatten (www.verlag-der-schatten.de)
»Das Blühen der Finsternis«
von Florian Lang
ISBN (Taschenbuch):
978-3-98528-061-2
272 Seiten, Preis: 16,00 €
ISBN (epub): 978-3-98528-062-9
4,99 €
Contemporary Dark Fantasy über das Geheimnis eines Verbotenen Buches.
H - E - R - M - E - S
T - R - I - S - M - E - G - I - S - T - O - S
B - A - N - D – 3
© Florian Lang und Verlag der Schatten (www.verlag-der-schatten.de)
»Das Blühen der Finsternis«
von Florian Lang
ISBN (Taschenbuch):
978-3-98528-061-2
272 Seiten, Preis: 16,00 €
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Angaben zur Produktsicherheit:
Hersteller:
Shadodex - Verlag der Schatten, Bettina Ickelsheimer-Förster
Ruhefeld 16/1, D-74594 Kreßberg-Mariäkappel
E-Mail: info@verlag-der-schatten.de
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Shadodex - Verlag der Schatten, Bettina Ickelsheimer-Förster
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